KWA AR15 Guide (LM4, HK416, Mega Arms, bedingt AR10 Varianten)

  • Da ja mittlerweile doch eine KWA/PTS Waffen mit dem System auf dem Markt sind/waren, möchte ich mal ein paar Kleinigkeiten zur Wartung und zum Tuning zusammenfassen, die sich über die Jahre bei mir bewährt haben. Verrat von Betriebsgeheimnissen quasi :D


    Kurz zu den Generationen:

    die anfängliche LM4 hatte einen mehrteiligen Upper Receiver und keinen Oring am Innenlauf hinter der Hop up Einheit. Die zweite Generation hatte einen verstärkten Verschluss, einen einteiligen Upper und eine mit Sprengring gesicherte Hop Up Einheit.

    Teilediagramm:

    http://kwa.com.hk/parts/index.…ifle&product=LM4%20MAGPUL


    A: Hop Up und Innenlauf

    hopup95kl9.jpg

    a: Hop Up

    Das KWA LM4 Hop Up ist der bekannte kleine sehr weiche Gummi 98 mit den zwei Führungsnasen. Baugleich und passend ist der Gummi ebenfalls in der HK45, allen anderen KWA AR 15 Modellen, den PTS Mega Arms Modellen und der VZ61 verbaut. Es gibt noch Austauschgummis von Guarder, Ratech/Maple Leaf, die auch andere Tensioner anbieten (Druckarm). Nach ausgiebigen Testsessions muss angemerkt werden, dass das Standard Gummi den besten Kompromiss bietet. Ausreichend Hop, beste Kälteeigenschaften, konstantes Schussbild. Der einzige Wermutstropfen, der vor allem dem weichen Material (Kälteresistenz) geschuldet ist, ist der relativ hohe Verschleiß.

    Entscheidend für die Funktion ist der korrekte Biegungswinkel des Druckärmchens 127, die Druckfläche sollte mit Druck flach auf dem Hop Up Gummi aufliegen.

    img-20190111-wa0007x3dd1.jpg


    Über die Steigung kann man am Ende bestimmen, wie viel Druckausgeübt werden sollte. Viel weiter hinaus als auf dem Foto sollte man aber nicht gehen. Effektiv lassen sich mit der Waffe BBs bis etwa 0,33g hoppen, viel höher sollte man nicht gehen, ein guter Kompromiss sind 0,3g BBs.

    Beim Zusammenbau ist es geboten, dass man exakt auf richtigen Sitz achtet. Weiterhin macht es Sinn den Gummi zunächst im unteren Drittel (nicht die Druckfläche) mit Teflonband zu umwickeln. Wenn man die Hülse dann leicht drehend auf den Gummi schiebt, bekommt man ihn gut ausgerichtet. Dabei darauf achten, den Gummi nicht zu verdrehen.


    Der HU Gummi reagiert außerdem etwas allergisch auf Silikonöl, welches darin resultiert, dass der Gummi aufquillt und seine Funktion nicht mehr erfüllt.


    b: Innenlauf

    Es ist darauf zu achten, dass der Innenlauf sauber im Außenlauf sitzt. Der Stock Lauf hat vorne einen Oring 44-0, der tangentiales Spiel verhindert. Sollte der Lauf gekürzt sein oder der Oring nicht mehr vorhanden, sollte man im vorderen Bereich des Laufs etwas Teflonband wickeln, um einen spielfreien Sitz zu ermöglichen.

    Lohnenswert ist es außerdem, den Lauf etwas zu polieren. Dazu nehme man einen Reinigungsstab, einen Streifen 4000 Micromesh Schleifvlies und schneide einen Streifen zu. Mit Sekundenkleber kann man diesen nur an ein Ende des Reinigungsstabes kleben (den Kugelstopfen vorher abzwicken), indem man einen Rand des Vlieses bestreicht, an den Reinigungsstab längs anklebt und dann den Überstand um den Stab wickelt. Man muss etwas experimentieren, damit man die richtige Menge abschneidet - diese ist erreicht, wenn der Stab mit der Wicklung gerade so in den Lauf passt und mit Widerstand vor und zurück geschoben werden kann. Das macht man ein paar Minuten und reinigt dann den Lauf mit Isopropanol.

    Bei der Fixierung des Innenlaufs inkl. Hop up Einheit alles gerade ausrichten und die Madenschrauben festziehen, damit die Einheit kein Spiel hat.


    Bei denjenigen die eine 1st Gen. haben, ist anzuraten hinter der Hop Up Einheit (so wie ausgebaut) eine Linie am Innerbarrel anzuzeichnen, dann dort eine Kerbe zu feilen und einen Oring über den Innenlauf zu stülpen, damit die Hop up Einheit kein Spiel mehr entwickeln kann. (Analog 127 E)


    B: Abzug

    triggert4kqi.jpg

    Um den Abzug zu überarbeiten, muss dieser zunächst ausgebaut werden. Zuerst die Schraube vom Magazinhalter entfernen, diesen nach links herausziehen. Nun das Gehäuse aufklappen und am obersten Pin vom Full Auto Sear den Sprengring entfernen, Einbaulage merken und die Teile entfernen. Danach kann man den Feuerwahlhebel nach links herausdrücken (bei Ambidex. Modellen erst den rechten Hebel entfernen). Nun spannt man den Hammer und zieht die Einheit mit dem Firing Pin und dem Boltstop am Bolt Stop nach oben raus. Den Hammer dann abschlagen. Nun kann man die silberne Halteplatte nach oben entfernen und danach die Pins von Hammer und Trigger herausziehen. Achtet beim Zusammenbau auf die Kerbe für die silberne Platte.


    Um den Abzug zu tunen muss nun folgendes gemacht werden:

    1. die Kante am Hammer 13, die Kontakt mit dem Trigger an 7 hat, polieren mit feinem Schleifpapier. Nicht den Winkel verändern und auch nur minimal abtragen. Die Kante am Trigger ebenfalls.

    2. Nun nehmen wir uns den Abzug 14 vor. Das ganze Teil auf den Kopf stellen, dass der Abzug selbst nach oben zeigt. An der hinteren Seite (Richtung Stock) einen etwa 2mm hohen Klecks Epoxitharz aufbauen und trocknen lassen. Je höher der Klecks, desto weniger "Creep" hat der Abzug, der Vorzug wird kürzer. Kann freilich auch zu viel sein, da muss man experimentieren.

    3. Teile wieder einbauen, bis auf den Feuerwahlhebel. Der drückt ja auf Safe von oben auf den Abzug und blockiert diesen damit. Durch die Erhöhung unter dem Abzug, passt her das Verhältnis nicht mehr. Deshalb müssen wir hier die Vorderkante (in Rotationsrichtung) abschleifen, bis der Feuerwahlebel wieder sauber in SAFE geclickt werden kann - zu viel und der Feuerwahlhebel blockiert nicht mehr auf SAFE.

    4. Ein Tröpfchen Öl auf die Kontaktpunkte und dann ein paar Schuss zum Einspielen geben.


    C: Feuerwahlhebel

    Um den Feuerwahlhebel etwas knackiger zu machen, bietet sich folgendes an.

    1. Hebel ausbauen (siehe B)

    2. mit einem Dremel und einen kleinen Bohrer die Raststufen etwas vertiefen und erweitern

    3. Die Feder, die den Pin in die Aussparungen des Feuerwahlhebels drückt minimal länger ziehen


    D: Gleitflächen Verschluss

    Wer noch etwas 4000 Schleifpapier über hat, kann auch noch ein paar Stellen in der Waffe polieren. Es bietet sich folgendes an:

    1. Unterseite vom Verschlussträger

    2. Verdickung hinten am Verschlussträger

    3. Die Oberfläche der Nase auf dem Verschlussträger oben (zum Chraging handle)

    4. Die Innenlauffläche des Charging handles (Kontakt zu 3)

    5. Bei ausgebautem Nozzle das Innere des Verschlusses


    Danach reinigen und minimal schmieren


    E: Schmierung

    Schmieren sollte man nur minimal, wie schon oft erwähnt. Silikon im GAS braucht es nicht!

    Die LM4 schmiert ihr am besten an folgenden Stellen (Teile etwas mit dem Mittel der Wahl benetzen)

    1. Buffer Tube Verdickung mit Kontakt zur Tube

    2. Kontaktflächen und Achsen am Trigger

    3. Firing Pin und Verschlussfang

    4. Lauffläche Verschluss/Charginghandle

    5. Charginghandle oben


    F: Gasfluss und Abdichtung

    nozzlevakct.jpg

    Zunächst mal ist es wichtig darauf zu achten, dass der Hop Up Gummi intakt und nicht verquollen ist. Danach bieten sich mehrere Stellen an, um den Gasfluss zu optimieren.

    1. Im Magazinschacht an der dem Abzug zugewandten Seite mit JB Weld, Epoxitharz oder mit Schichten auf Panzertape und etwas Sekundenkleber den mittleren vertieften Teil minimal aufbauen. Das Magazin sitzt dadurch ein wenig gerader und die Abdichtung wird besser. Profitiert nicht jede Waffe von, weil die Toleranzen schwanken.

    2. Nozzle ausbauen und die Nozzledichtung 191 mit etwas Teflonband unterfüttern. Wenn die Nozzle eingebaut ist, könnt ihr die Kompression überprüfen, indem ihr mit dem Zeigefinger die vordere Öffnung und mit dem Daumen die untere Öffnung zuhaltet (part 2) und das Nozzle vor und zurück bewegt. Es sollte schon deutlich Widerstand haben und saugen. Es muss aber in jedem Fall sauber vor und zurück flutschen können (mit einem kleinen Tropfen Silikonöl)


    Alternative zu zwei: für die Pros unter euch: kauft auch die Cup Dichtung der KWA AK74 (sieht so aus wie bei den NS2 Pistolen nur größer und ist gelb). zerlegt die Nozzle (Plättchen am Verschluss entfernen, Sprengring hinten rausnehmen, Nozzle ziehen, Pin am hinteren Ende ausschlagen und den Piston Cup nr 60 herausziehen). Nehmt einen Dremel und schnappt euch den Piston Cup, also das Teil, dass hinten aus der Nozzle herausgezogen werden kann. Dort wo der Oring sitzt, wird er auf beiden Seiten von Plastik umschlossen. Den hinteren Grat (Richtung Nozzle) dremelt ihr weg. Dann müsst ihr von der Sitzfläche des Orings so viel wegnehmen, dass der gelbe Cup exakt draut passt. Ausrichtung mit der Öffnung nach hinten (Weg vom Nozzle). Danach testen, ob das Nozzle sauber läuft. Hier geht es wieder wie oben darum, dass es flutscht, aber möglichst viel ausfüllt. Der Cup bläst sich bei Gasdruck auf und die Kompression bei extremen Bedingungen wird verbessert.

    https://www.rainbow8.com/colle…al-for-ksc-ak-series-gbbr


    Wo wir gerade dabei sind: die Nozzle Return Spring 76 hat eine kleine Dichtung, dort wo sie aus der Nozzle spitzt. Ich habe es schon mal erlebt, dass die Waffe bei extrem niedrigen Temperaturen und hoher Luftfeuchte dort einen Fehler produziert. Es wird dann stellenweise nicht mehr mit ordentlich Druck geschossen und es kommt zu Leerschüssen. Das liegt in dem Fall daran, dass dort die Nozzle an der Federdichtung festfriert oder sich durch unterschiedliche Dehnungskoeffizienten verkantet.

    Um das zu umgehen, mit dem Dremel im Piston Cup von hinten (wo die Feder reingeführt wird) nach Ausbau der Feder den Trichter minimal bearbeiten, d.h. etwas vertiefen, so das der Kopf mit Dichtung der Return Spring etwa einen halben Millimeter tiefer sitzt. Danach wieder sauber polieren. Auf die Drehzahl achten, es ist Kunststoff!


    G: Spiel im Stock oder zwischen den Receiver Hälften

    a: Stock

    Einfache Sache: Stock abziehen und einen kleinen Streifen Panzertape oben mittig in den Stock kleben. Dabei die breite variieren bis es passt (nicht die Dicke).

    b: Receiver Hälften

    Bei den Receiver Hälften funktionieren leider keine "Accu wedges" wegen der Form des Lowers. Hier hilft es sich den Upper zu nehmen und auf alle Eckpunkte auf den Auflageflächen zw. Upper und Lower mit einem kleinen Tropfen Sekundenkleber zu versehen (darf ruhig etwas dicker sein). Trocknen lassen und das Spiel zw. Upper und Lower ist Weg - einfache Methode ohne großen Aufwand.


    H: Einfüllventile der Magazine

    Zunächst mal: die Stanag Magazine sind die besten. Zuverlässig, große Gaskapazität, wenig Cooldown, robust und die Lippen haben die richtige Bemaßung.

    Achtet darauf, dass die Einfüllventile intakt sind. Wenn diese verstopfen, kommt nicht mehr genug Gas ins Magazin. Ebenso dann nicht, wenn die äußere Dichtung nicht mehr da ist. Also auf die auch gut aufpassen und bei Verlust ersetzen. Nach einer Zeit gehen die Oringe in den Ventilen kaputt, die sind vom selben Maß wie die äußeren und lassen sich nach Aufschrauben des Ventils einfach ersetzen.

    Nutzt auf Flaschen mit Metallstutzen einen extra Adapter von Feuerzeugen (Kunststoff, um die Einfüllventile zu schonen.


    I: Ersatzteile einlagern

    Bisher hatten wir einige KWA Lm4 im Team und ich besitze selbst auch eine Seit dem Erscheinen. An sich braucht ihr nicht viele Parts, ich habe z.B. 2 Nozzles auf Lager, bisher aber nie eine gebraucht, die Teile sind absolut bomb-proof. Es bietet sich aber an sich ein paar Hop Up Gummis, einen extra Tensioner und Magazinlippen auf Lager zu legen. Wer wirklich auf Nummer sicher gehen will, kauft sich außerdem Parts: 4, 2, 8, 7, 5, 13, 17,19, 76, 191, 207


    J: Drosseln:

    Wer seine Waffe drosseln möchte oder muss, der kann das über die mittlerweile verfügbaren NPAS Systeme tun oder er nehme sich etwas Schrumpfschlauch und zerlege das Nozzle. Im inneren kommt ein silberes Teil zum Vorschein, das Jet Valve 97 (Obacht, dass beim Zerlegen die Feder nicht raus springt). Über den Hals des Jet Valve zieht man mehrere Schichten Schrumpfschlauch (der muss so groß sein, dass er genau über die Finnen passt). Je Schicht verschrumpfen. Am besten mit etwa 2 Schichten starten und chronen. Damit lässt sich die Leistung effektiv und konstant drosseln, auch die Länge der Schichten hat einen minimalen Einfluss.





    Wenn mir noch mehr Sachen einfallen, trage ich selbstredend nach. Viel Spaß beim Basteln!

  • Schnazel

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  • Top Arbeit... wie immer:good: Kleiner Tipp noch, schick Elchi eine PN oder melde Deine Beiträge, er kann die dann zu einem Thread zusammenfügen;)

    „Die billigste Art des Stolzes ist hingegen der Nationalstolz. Denn er verrät in dem damit Behafteten den Mangel an individuellen Eigenschaften, auf die er stolz sein könnte.“ (Arthur Schopenhauer, 1788–1860)


    In Memoriam Bulldoxx ......gone but not forgotten

  • Ist wahrscheinlich eine unnötige Frage, aber ich verstehe nicht ganz, warum ich meinen PTS MKM Abzug tunen sollte. Vielleicht hab ich einfach Glück, denn meiner ist ziemlich leicht vom Abzugsgewicht und hat keinen besonders langen Abzugsweg, insbesondere relativ zum Reset.


    Vielleicht könntest du noch hinzufügen, welche der Tunings auf Verschleißminderung (Gleitflächen, Lagerung), Effizienzsteigerung (Nozzle- und Ventilmods) oder "Performance" Steigerung (Abzugsweg, Abzugsgewicht) sind.

  • Man kann damit den Abzugsweg soweit reduzieren, dass es quasi ein Singlestage Trigger ist. Bei meiner LM4 funktioniert damit sogar bump fire...


    Die geforderten Kategorien kann ich gerne nachtragen.