How To: WA/Inokatsu/Viper-Tech: abdichten und abstimmen

  • Heute möchte ich euch ein paar Tricks vorstellen wie ihr eure, auf dem WA-System basierende, GBB M4 deutlich effizienter machen könnt. Bestimmte Aspekte davon lassen sich vielleicht auch auf andere Systeme übertragen bzw. das grundsätzliche Vorgehen sollte für jede Gaswaffe das selbe sein. Das Ziel ist wie immer gleich: Wie lässt sich aus einer gegebenen Menge Gas das Maximum an Repetiervorgängen und Leistung holen.


    Ein geringerer Gasverbrauch spart zum einen Geld, zum anderen tritt deutlich später Cooldown auf. Außerdem laufen gut gedichtete Systeme deutlich knackiger.


    Das WA-System ist inzwischen ein wenig in die Jahre gekommen trotzdem gibt es noch eine Menge Nutzer und noch mehr Tuning-Teile, Magazine und Abwandlungen des Systems von den verschiedensten Herstellern. Das ist auch eins der Hauptprobleme des Systems. Viele Komponenten harmonieren nicht wirklich zusammen oder müssen erst aufeinander abgestimmt werden.


    Insgesamt gibt es drei Punkte an denen Gas unnötig verloren gehen kann:

    1. Der Übergang vom Magazin ins Nozzle
    2. Die Dichtung vom Nozzle zum Lauf hin
    3. Die Dichtung vom Nozzle im Verschlussträger

    Für jeden Punkt versuche ich zu erklären wie man am besten überprüfen kann ob das System effizient arbeitet und anschließend was sich noch verbessern lässt. Allerdings bin ich der Meinung, dass Dichtungselemente Verschleißteile sind. Manche der Modifikationen erhöhen unter Umständen sogar den Verschleiß, was mir persönlich aber nichts ausmacht, weil die Gasersparniss deutlich mehr Geld spart als es mich kostet die Dichtungen regelmäßig zu wechseln.


    Der Übergang von Magazin ins Nozzle


    Überprüfung:


    Ob eure Magazine sauber zum Nozzle abdichten lässt sich sehr einfach prüfen. Dazu wird das zu überprüfende Magazin in die Waffe eingeführt. Anschließend wird durch das Auswurffenster ein Finger auf den Verschlussträger gelegt und dieser nach hinten bewegt. Falls ihr nur mit einem Finger nicht gegen die Verschlussfeder ankommt, könnte ihr die Feder auch ausbauen ;) Das Magazin dichtet genau dann optimal zum Verschlussträger wenn das Nozzle auf dem ersten Stück des Weges in der vorderen Position stehen bleibt. Bewegt sich das Nozzle direkt mit dem Verschlussträger mit, wird der Gas-Router nicht ausreichend mit der Unterseite des Nozzles verpresst, um den Gasfluss im Betrieb abzudichten.


    Natürlich sollte das Nozzle der Bewegung des Verschlussträgers folgen bevor es ins Nozzle-Guide knallt! Zu viel Verspressung des Gas-Router hilft hier auch nicht weiter.


    Anpassung:


    Um den weiter oben beschriebenen Zustand zu erreichen muss die Höhe des Gas-Router im Magazin auf das Nozzle angepasst werden:


    In den seltensten Fällen sitzt der Gas Router zu hoch und hält das Nozzle zu stark fest. Leider ist es recht schwierig die Höhe des Gas-Routers zu reduzieren. Eine Alternative ist das Fenster für den Magazin-Knopf zu modifizieren, damit das Magazin tiefer in der Waffe sitzt. Das kann allerdings schnell zu Feeding-Problemen führen! Sonst kann man vom Gas-Router an der Unterseite eine Scheibe abschneiden. Am besten eignen sich dafür Ultraschallmesser. Dafür braucht man aber eine sehr ruhige Hand, damit man den Gas-Router nicht ruiniert.


    Deutlich einfacher ist es wenn der Gas-Router etwas zu tief sitzt. Um den Sitz des Gas-Router zu erhöhen gibt es unzählige Lösungen im Internet. Im Prinzip wird der Gas-Router mit den unterschiedlichsten Materialien unterlegt. Für Perfektionisten gibt es lasergeschnittene Shims. Wenn man Glück hat gibt es für die Magazine sogar Gas-Router in unterschiedlichen Höhen (Prowin). Ansonsten muss man sich mit Haushaltsmitteln behelfen. Vom Teflon-Band bis zu Plastikkarten ist eigentlich alles möglich:


    Ich persönlich verwende am liebsten selbstverschweißendes Isolierband. Das gibt es in jedem Baumarkt für ein paar Euro. Es lässt sich sehr leicht auf die perfekte Größe zuschneiden. Durch verstrecken des Materials lassen sich spielend unterschiedliche Dicken einstellen. Außerdem verklebt das Material unter Druck mit dem Gummi des Gas-Router und bildet so eine perfekte Dichtung aus.


    vt_dichtung_magazinatj4w.jpg


    Die Dichtung vom Nozzle zum Lauf hin


    An dieser Stelle entstehen in der Regel nur geringe Verluste, weil die Nozzle-Spitze meistens recht gut mit dem Hop-Up Gummi dichtet. Außer euer Hop-Up Gummi ist gerissen, dann sollte es natürlich gewechselt werden. Bei GBB-Waffen ist das durch die erhöhte Belastung leider öfters der Fall. Außerdem empfehle ich jedem den wohl ältesten Trick im Airsoft, den Spalt zwischen Hop-Up Gummi und Innenlauf mit Teflon-Band zu dichten.


    Die Dichtung vom Nozzle im Verschlussträger


    Ist hier die falsche oder eine verschlissene Dichtung verbaut, kann hier richtig viel Gas verloren gehen. Beim WA-System gibt es mindestens zwei Dichtungen in diesem Bereich. Zum einen den O-Ring am Nozzle, der den Körper des Nozzle gegen die Innenwand des Verschlussträger dichtet. Zum anderen den kleinen O-Ring der die Bohrung, in dem das Nozzle befestigt wird, verschließt.


    Überprüfung:


    Zur Überprüfung nimmt man einfach den gesamten Verschlussträger aus der Waffe und dichtet mit einem Finger die Bohrung des Nozzle Richtung Lauf und mit dem anderen die Öffnung in Richtung des Magazins. Anschließend zieht man das Nozzle nach vorne. Im sich bildenden Hohlraum sollte sich ein deutlich zu spürender Unterdruck bilden, der das Nozzle zurück in Position zieht. Alternativ startet man mit dem Nozzle in vorderer Position und drückt es nach hinten. Dabei sollte sich die Luft hinterm Nozzle deutlich komprimieren, so als ob man eine Luftpumpe vorne zuhält. Lässt sich kein Unterdruck/Kompression aufbauen habt ihr einen Verschlussträger und Nozzle die nicht zusammenpassen oder viel wahrscheinlicher sind die Dichtungen falsch/hinüber.


    Anpassung:


    Der große O-Ring am Nozzle wird ausgemessen und bei Lelebeck nachbestellt:
    https://www.lelebeck.de/dichtungselemente.htm


    Als Material sollte NBR ausreichen. Ich nehm gerne die EPDM, weil die rein theoretisch etwas besser für tiefere Temperaturen geeignet sind und bei einem Cooldown wird es halt ganz schön kalt. Einen wirklichen Unterschied macht es aber nicht. Bei den Preisen kann man auch gleich größere Mengen bestellen und hat dann eine Reserve auf Lebzeiten. Man glaubt kaum was ein frischer O-Ring für einen Unterschied machen kann. ;)


    O-Ringe weisen jedoch ein prinzipbedingtes Problem auf: Die Dichtwirkung entsteht durch leichtes verpressen des Materials. Ein nahezu unverpresster O-Ring hat nur eine sehr geringe Dichtfläche und damit auch nur ein geringe Dichtwirkung. Durch einen leicht größeren O-Ring lässt sich die Verpressung und die Dichtwirkung verbessern, gleichzeitig steigt aber auch die Reibung deutlich an. Mehr Reibung bedeutet natürlich wieder mehr Gasverbrauch, also beißt sich das ganze hier in den Schwanz.


    Deshalb empfehle ich, wenn möglich, den Einsatz von X-Ringen. Die gibt es auch bei Lelebeck nur leider nicht immer in den passenden Größen. X-Ringe funktionieren in dynamischen Situationen ähnlich einem Kolbenring und benötigen weniger Verpressung um eine hohe Dichtwirkung zu erzielen. Außerdem bilden sie durch ihre Form eine Schmiermittelreserve, die mit dem Dichtungselement mitwandert. Für Viper-Tech passen X-Ringe mit den Dimensionen 1,78 x 12,42 mm als wären sie dafür gemacht. Das Nozzle lässt sich damit sehr leichtgängig bewegen und trotzdem ist die Dichtwirkung extrem gut. Für andere Systeme empfehle ich einen X-Ring zu nehmen der 0,25 mm schmaler (!) ist als die breite der Nut und vom Durchmesser 0,3 bis 0,5 mm größer.


    Die besten X-Ringe bringen jedoch nichts, wenn das ganze Gas sich durch die Bohrung hinten im Verschlusstäger wieder verflüchtigt. Der O-Ring, der diese Stelle dichten soll, sitzt überlichweise in einer kleinen Nut. Was bei einer Viper-Tech gerne dazu führt, dass er am Rand der Bohrung abgequetscht und nach wenigen Schüssen zerstört wird (siehe Bild). Um hier die Dichtwirkung zu verbessern empfehle ich deutlich größere O-ringe zu verbauen, die dann nicht mehr in der Nut selbst sitzen (siehe Bild). Dieser größere O-Ring wird bei der Montage zwischen Nozzle und Rückwand des Verschlussträger verpresst und dichtet so optimal ab. Natürlich hält er durch die Verpressung und die permanente Belastung durch die Repetiervorgänge nicht ewig. Aber wie eingangs erwähnt bin ich der Meinung, dass Dichtungen regelmäßig getauscht werden müssen.


    Für Viper-Tech ist mMn die Variante 5,28 x 1,78 mm perfekt passend und hält in der Regel 3000 - 4000 Schuss bevor er gewechselt werden sollte. Ein weiterer positiver Nebeneffekt ist, dass der C-Clip zur Sicherung des Nozzles jetzt unter Vorspannung steht und so das Risiko minimiert wird, dass dieser einfach im Betrieb abfällt.


    vt_dichtung_nozzle2sjtt.jpg


    Bildebeschreibung: Links ein Viper-Tech Nozzle wie es vom Werk kommt, rechts mit X-Ringen und vergrößertem O-Ring. Rechts sieht man deutlich, dass der größere O-Ring nicht mehr in der Nut sitzt sondern auf dem hinteren "Teller" des Nozzles. Am linken Nozzle den typisch für Viper-Techs abgequetschten O-Ring, der höchstwahrscheinlich gar nichts mehr dichtet.


    Ich hoffe der Beitrag hilft einigen von euch weiter. Alle Modifikationen sollten für 10€ oder weniger zu machen sein (inkl. Lebensdauer-Reserve an Dichtungselementen). Meine Viper-Tech schafft jetzt zwischen 120 und 180 Schuss mit einer Gasladung. Vorher waren es eher 80 bis 120.