PPS M870 "Police" Shotgun


  • Einleitung


    Der Markt an Airsoft-Schrotflinten mit Gassystem hat sich in den letzten beiden Jahren schon enorm vergrößert. Gab es über Jahre - zumindest in Deutschland - nur Marushin und Tanaka zu kaufen, kommen nun vermehrt völlig neue, aber auch ein paar alte Hersteller mit Schrotflinten heraus. Zu den Jüngsten zählt dabei "Precise Professional Serious", besser bekannt unter der Abkürzung PPS. PPS verwendet dabei das System von Tanaka mit Shells, in denen ein kleiner Gastank und ein paar BBs untergebracht sind. Die ersten Waffen von PPS waren eine sehr kurze Flinte, eine "Tactical" mit Schiebeschaft, sowie die eher ungewöhnliche XM26 zur Montage unter ein AR-15. Was wirklich im Sortiment fehlte, war eine Variante in "voller" Baulänge.


    Die kommt nun direkt in vier Versionen, mit langem und kurzem Magazin, sowie Schäften aus Holz und ABS. Getestet wird hier die "Police"-Version, mit kurzem Magazin und Holzteilen.



    Details:


    Antriebsart: Gas
    Energie: 1,7J
    Farbe: Schwarz
    Kaliber: 6mm
    Material: Metall / Holz
    Magazinkapazität: 6
    Gewicht: 2260g
    Länge: 97cm
    Hop-Up: Fix



    Lieferumfang


    Wie so oft kommt auch hier die Waffe in einem sehr schmucklosen braunen Karton daher, der auch im Inneren eher durch schlichte Funktionalität überzeugt. Die Waffe selbst ist in drei eher kleinen Schaumstoffteilen gelagert. Dazu gibt es noch eine Tüte mit zwei Patronen, der Ladehilfe und natürlich eine ausführliche Anleitung.



    Erster Eindruck


    Als erstes fällt einem natürlich das Holz der Waffe ins Auge. Es erinnert mehr an hochwertige Waffen auf den Anfängen des 2. Weltkriegs als eine Schrotflinte von der Stange! Das Holz ist fest und hat eine schöne Maserung, ist aber nur geölt und nicht lackiert. Damit ist es natürlich auch ein wenig empfindlich gegen Kratzer und Dellen. Hinten auf dem Schaft sitzt noch eine Gummikappe, die hier weniger die Schulter des Schützen, als vielmehr das Holz des Schaftes schützt.



    Nicht so schön sind die Unterschiede im Oberflächenfinish zwischen Gehäuse und Lauf. Während das Gehäuse sehr matt ist und wie eloxiert wirkt, wurde der Lauf glänzend lackiert. Das hätte man besser hinbekommen können. Das :F: auf dem Lauf erschwert hier leider auch nachträgliche Korrekturen. Auch die Kreuzschraube unter dem Lauf, die die Zentrierung des Innenlaufs hält, wäre nicht unbedingt notwendig gewesen.



    Die Gravuren sind sehr flach und eher unauffällig, wobei es hier, je nach Modell, auch zu Unterschieden kommen kann. Ich hatte den Eindruck, daß beim Modell "Sheriff" die Gravur deutlich tiefer liegt.



    Vor Gebrauch empfiehlt es sich, die Waffe erst zu reinigen und dann noch einmal gut zu fetten und zu ölen. Das System ist sonst doch etwas hakelig, bis es sich richtig eingelaufen hat.



    Technik


    Das System von PPS lehnt sich sehr eng an das von Tanaka an, funktioniert aber ein wenig anders. Während bei Tanaka das Schlagstück vorne arretiert und das ganze Gas in der Hülse für einen Schuß abgegeben wird, ist das Schlagstück der PPS "schwimmend" befestigt und federt nach der Schußabgabe zurück. So wird nur ein Teil des Gases abgeblasen und die Hülse kann mehrfach verwendet werden, ohne Gas nachzufüllen. Lediglich die 3 BBs müssen erneut geladen werden. Dies funktioniert auch nur, weil bei PPS Greengas verwendet wird, während bei Tanaka das deutlich schwächere Airsoftgas verwendet werden muß.


    Dementsprechend bestehen die mitgelieferten Hülsen aus einem großen Alutank mit einer Hülle aus Plastik, die nur die BBs hält und der besseren Optik dient. Die Shells von Goblin sind fast identisch aufgebaut. Wesentlicher Unterschied hier ist, daß PPS das Gehäuse verklebt, was eine Reparatur etwas umständlich macht.



    Der Repetiervorgang läuft sehr weich, wenn die Waffe gut eingefettet ist. Mit der Zeit läuft sich das System sogar noch besser ein und ist nur bei neuen Waffen noch etwas hakelig. Man muß aber schon kräftig durchladen, sonst gibt es Klemmer. Vorne im Abzugsbügel findet sich auch der typische Entriegelungshebel, mit dem sich das System durchladen läßt. Das ist die einzige Möglichkeit, die Waffe ohne Schußabgabe zu entladen.


    Durch die Entnahme zweier Splinte im Gehäuse läßt sich das Abzugssystem komplett herausnehmen, was für Wartung und Tuning natürlich äußerst praktisch ist.



    Im Gegensatz zu vielen anderen Shotguns mit Hülsen verfügt die PPS sogar über ein fixes Hop-Up. Da die BBs nur durch einen Lauf verschossen werden, macht das auch Sinn.


    Aus Stahl bestehen hier Ladelöffel, Ladearme, Sicherungsknopf, Slinghalterungen und Pins. Alle übrigen Metallteile bestehen aus Alu oder Druckguss. Plastik findet man, bis auf die Schaftkappe, bei diesem Modell gar nicht.




    Schußtest


    Zum Befüllen der Shells wird zwingend das Ladetool benötigt. Es verhindert, daß das Auslaßventil nach unten gedrückt und damit geöffnet wird. Das ist etwas umständlicher als zum Beispiel bei Goblin, wo das Einfüllventil vorne ist. Dafür muß die Hülse zum Befüllen aber nicht zerlegt werden.


    Beim Laden sollte man sich unbedingt an die Anweisungen des Herstellers halten! Also Vorderschaft zurückziehen, Shells laden, Vorderschaft vorschieben und einmal trocken abfeuern. Nun kann die Waffe durch einen erneuten Repetiervorgang feuerbereit gemacht werden. Die Kapazität des Modells "Police" beträgt 6 Hülsen, lädt man eine in die Kammer passen natürlich auch 7.


    Die Visierung erfolgt hier nur grob über die geriffelte Oberseite und das Perlkorn, für eine Waffe mit deutlicher Streuung ist das genau genug.



    Der Sicherungsknopf befindet sich hinten im Abzugsbügel und muß zum Entsichern nach links herausgedrückt werden.
    Die Schüsse sind sehr leise und vollkommen mietwohnungstauglich! manchmal fragt man sich sogar, ob überhaupt eine BB herausgekommen ist. Der Einschlag im Ziel ist jedenfalls deutlich lauter.


    Mit einer Streuung von ungefähr 5cm auf eine Entfernung von 7 Metern ist die Waffe jedenfalls praxistauglich. Für Spiele wäre diese Abdeckung ideal. Wären da nicht die ausgeworfenen Hülsen...




    Die Stärke wurde mit ungefähr 0,75 Joule pro BB eingemessen, was eine Gesamtenergie von ungefähr 2,1 Joule für eine Dreiergruppe bedeutet. Ebenfalls ein praktikabler und spieltauglicher Wert. Mit einer Gasladung ließen sich durchaus 5 oder 6 Schüsse bei gleichbleibender Stärke abgeben.



    Tuning und Zubehör


    Wie bei einer Remington 870 kann man natürlich auf ein reichhaltiges Angebot an Anbauteilen und Zubehör zurückgreifen, wie Slings, Tragetaschen, Shellcatchern oder Munitionsgurten. Es gibt aber auch speziell für die PPS 870er-Serie viele Ersatz- und Tuningteile bei Sniper! Gefrustete Tanaka-Besitzer werden das zu schätzen wissen!


    Ebenfalls erfreulich ist das Angebot an weiteren Shells, das mit 30 Euro für einen 5er-Pack Plastikshells erstaunlich günstig ist. Wer etwas stabileres haben möchte, kann auch zu den Alushells greifen, die dafür nicht ganz so realistisch aussehen. Ersatzteile für die Shells, wie Platikhülsen und Messingböden, gibt es ebenfalls.



    Fazit


    Die schon zuvor für Airsofter äußerst erfreuliche PPS 870er-Serie hat mit den neuen Modellen attraktiven Zuwachs bekommen! Shotguns mit langen Lauf, Holz- oder Plastikschäften und günstigen Shells waren bisher eher Mangelware, nun gibt es endlich ein preisgünstiges System, das sogar noch (in Grenzen) spieltauglich ist. Marui mag mit seinem festen "Shellmagazin" noch ein paar Vorteile haben, der Realismus bei PPS schlägt das aber wieder!


    Das bewährte System von Tanaka wurde durch PPS in einer interessanten Weise verbessert, indem die Shells nun mehr als einen Schuß abgeben können, ohne wie bei Marui nur als "BB-Röhre" zu dienen. Kleinere Fehler beim Finish mindern auch nicht den Spaßfaktor.


    Insgesamt sind die Schrotflinten von PPS preisgünstige, endlich mal rechtlich unproblematische und weitgehend spieltaugliche Flinten mit Hülsenauswurf. Mehr geht einfach nicht!




    Geschichte


    Die Entwicklung der Remington 870 reicht bis ins Jahr 1915 zurück und damit auch bis zum großen John Moses Browning. Der entwickelte für Remington das Modell 17, das schon weitgehend dem späteren Modell 870 ähnelt. Auf dieses Design gehen aber auch andere bekannte "Pump-Actions" zurück, wie die Ithaca 37 und die Mossberg 500.
    1931 brachte Remington dann das von C.C. Loomis verbesserte Modell 31 auf den Markt, das mit der damals sehr erfolgreichen Winchester Model 1912 konkurrieren sollte. Das gelang nur teilweise, aber der 2. Weltkrieg erforderte erst einmal eine Massenproduktion der vorhandenen Modelle.
    1949 begann dann die Entwicklung eines Nachfolgers des Modell 31, das vor allem billiger zu produzieren und damit auch zu erwerben sein sollte. Trotzdem sollte die Waffe robust und zuverlässig sein. Das Design von L.Ray Crittendon, Phillip Haskell, Ellis Hailston und G.E. Pinckney erfüllte diese Anforderungen.
    In den späten 60er Jahren führte das amerikanische US Marine Corp das Gewehr ein, die anderen Waffengattungen folgten im Zuge des Vietnamkrieges Anfang der 70er. Die Remington 870 wurde zur beliebtesten Flinte auf dem amerikanischen Markt . Es gibt unzählige Variationen mit verschiedenen Kaliber, Lauflängen und Schäften. Bekannt ist auch die unter das Sturmgewehr M16, bzw. M4 zu "schnallende" Variante, genannt "Masterkey-System".
    Die Remington 870 zählt bis heute zu den bekanntesten und beliebtesten Schrotflinten, sowohl im militärisch / polizeilichen Umfeld, als auch im sportlichen (Repetier-) Flintenschießen.