Kompendium über die Schmierung

  • Schmierstoffe für Airsoft Waffen.


    Die Lehre der Reibung und des Verschleiß heißt Tribologie. Entscheidend für die Wirksamkeit eines Schmierstoffes ist das richtige Zusammenspiel aus Schmierung und Trennwirkung, denn nur wo beides vorhanden ist kann Leichtgängigkeit und Langlebigkeit gewährleistet werden. Als Schmierung bezeichnet man das herabsetzen des Reibwertes durch hydrodynamisches Gleiten. Anstatt zwei mikroskopisch unebene Stahloberflächen aneinander vorbei zu reißen, gleiten die Schmierstoffmoleküle aufeinander. Jede Oberfläche besitzt mikroskopisch kleine Rauhigkeitsspitzen, diese verhaken sich ineinander und erzeugen das was man als Haft- und später als Gleitreibung bezeichnet. Ziel ist es diese unebenheiten auszugleichen und einen Kontakt der Oberflächen zu minimieren. Ein hydrodynamischer Film (wie z.B. ein dünnes Öl) hat jedoch das Problem, dass er leicht verdrängt wird. Die Trennwirkung eines Öls ist z.B. begrenzt und kann gegen null laufen unter Flächenpressung. Somit ist die Schmierwirkung hinfällig oder nicht ausreichend. Von einer Trennwirkung spricht man, wenn der Schmierstoff (oder ein Teil dessen) trotz Flächenpressung und/oder großen Relativgeschwindigkeiten nicht verdrängt wird und seine schützenden Eigenschaften behält. Meist sind diese Effekte konträr. Das heißt ein leichtgängiges Öl schmiert sehr gut, schützt allerdings nicht nachhaltig gegen Verschleiß. Ein dickes Fett schützt gegen Verschleiß, allerdings mangelt es so geschmierten Teilen oft an Leichtgängigkeit (weil die hohe Viskosität der Paste überwunden werden muss steigt der Reibwert).



    Ich möchte meine Ausführungen mit dem Hinweis beginnen, dass alle Airsoft-Hersteller sich darauf eingespielt haben für die Lubrikation ausschließlich reines Silikonöl zu empfehlen. Nichtsdestotrotz gibt es an vielen Stellen keinen logischen Grund auf andere Schmiermittel zu verzichten.


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    Silikonöle


    Silikonöle sind chemisch betrachtet Polysiloxane (bzw. je nach Viskosität Oligosiloxane). Je nach Herstellverfahren lassen sich gezielt beliebige Molekülgrößen und somit Viskositäten von dünn bis pastös erzeugen. Silikonöle sind chemisch inert, sie verharzen nicht und altern nicht. Schmiereigenschaften werden in tiefsten Temperaturen von -60°C oder für Airsoft unrealistischen +200°C gewährleistet. Silikonöle finden Anwendung in zahlreichen kosmetischen Produkten und haben teilweise sogar eine Lebensmittelzulassung. Sie gelten als toxikologisch weitgehend unbedenklich. Silikone sind prinzipiell relativ permeable für Gase, das heißt sie isolieren nicht gegen atmosphärische Einflüsse und sind daher nur bedingt als Korrosionsschutz geeignet. Dennoch reicht in milden Gefilden ein dünner Silikonfilm aufgrund seiner exzellenten elektrischen Isolation gegen Korrosion aus. Silikonöle gehen aufgrund ihrer polaren Gruppen eine schwache physikalische Bindung mit Eisenwerkstoffen ein, die es nahezu unmöglich macht das Siloxan wieder vollständig von der Oberfläche zu entfernen. Die Folge sind Benetzungsstörungen und Hydrophobierung, selbst wenn kein Schmierfilm mehr vorhanden ist. Manche andere Öle haben so ihre Schwierigkeiten eine vorher mit Silikonöl beölte Oberfläche zu benetzen und deren Film reißt auf. Das Lackieren einer mit Silikonöl behandeln Oberfläche kann voll in die Hose gehen. Produktionsstätten für die Lackindustrie insbesondere dann wenn auch für die Aerospace geliefert werden soll verhängen daher ein verbindliches Silikonölverbot für die gesamte Firma (kein Scherz). Silikonöle lassen sich wenn überhaupt mit starken Lösemitteln (Schnellentfetter, Aceton, Nagellackentferner oä.) entfernen, hier ist aber Vorsicht geboten nicht den Lack oder Kunststoffteile unwiederbringlich zu zerstören. Glücklicherweise haben viele Schmiersotffprodukte keine zu großen Probleme mit Silikonöl, zumindest habe ich noch keine Beschwerden vorzubringen. Siloxane sind unbedengklich für Gummi, Kunststoffe und Eisenwerkstoffe, von der Verwendung auf Messing wird prinzipiell abgeraten (ohne dass ich den genauen Grund weiß). Die Schmierwirkung des Silikonöls ist gut. Je nach Viskosität wird bei Silikonpasten sogar eine leichte Trennwirkung erzielt was den Verschleiß drastisch verringert.


    Feststoffschmierstoffe


    In der Schmiermittelindustrie gibt es zahlreiche Feststoffschmiermittel, welche manchmal eigenständig, aber häufig als Additiv für ein Öl oder Fett verwendet werden. Es gibt zahlreiche Beispiele, die bekanntesten sind Graphit, MoS2 (Molybdändisulfid) und PTFE. Besonders erwähnenswert ist MoS2, da dieses als Industriestandard bezeichnet werden kann. Wenn euch jemand verkaufen will das PTFE der Industriestandard ist, hat er keine Ahnung. Eine der bemerkenswertesten Eigenschaften von MoS2 ist seine Temperaturstabilität. Eine Suspension dieses Schmierstoffs in Wasser wird beispielsweise zur Erleichterung von komplexen Schmiedevorgängen in die locker 1000°C heiße Matrize eingesprüht, bevor der Gesenkkopf das Werkstück umformt. Dieses Schmiermittel zählt zu den sogenannten black lubricants, wegen seiner offenbar tiefschwarzen Farbe. Nachteil ist, dass Moly und Graphit wirklich alles schwärzen. Schwarze Pampe will niemand in seinen Werkzeugen, daher geht der Trend zu sog. white lubricants. Dazu zählen Alternativen wie Zinnsulfid und hexagonales Bornitrid. Das high end Produkt PTFE (Polytetrafluoräthylen, Trivialname Teflon) ist ein bemerkenswerter Festschmiersoff, der auch für unseren Airsoftbereich sehr interessant ist. PTFE bietet als hauchdünner und farbloser Film eine sehr gute Schmierwirkung, jedoch mit wenig Trennwirkung. Als eigenständiges Schmiermittel sorgt es also für weniger Reibung und besseres Gleiten, verhindern verschleiß aber nur mäßig. Auf eine beliebige Oberfläche aufgetragen überzieht das PTFE Unebenheiten und füllt diese mit schmierenden Partikeln. Dennoch ist PTFE für die meisten Industriezwecke ungeeignet, da es sich bei höheren Temperaturen zu hoch-toxischem und gefährlichem Fluorwasserstoff (Flusssäure) zersetzen kann. Für unseren Anwendungsbereich von -20 bis + 100°C ist das jedoch völlig unbedenklich.
    Die meisten Feststoffschmiermittel werden klassischen Ölen und Fetten zugesetzt, um den Reibwert weiter zu reduzieren und Notlaufeigenschaften zu erzeugen. Hier sehe ich die optimale Wirkung dieser Schmiermittel.


    Fette


    Die meisten Schmierfette die auf dem Markt erhältlich sind (engl. grease) sind keine echten chemischen Fette, sondern vielmehr ein Gemisch aus einem Basisöl und Lithiumstearat. Stearate sind Salze der Stearinsäure, dazu zählen Calcium-, Natrium- und Zinkstearat. Insbesondere die letzten drei sind extrem hochleistungsfähige Trenn- und Schmiermittel in der Umformindustrie für höchste Ansprüche. Diese werden durch chemische Prozesse auf phosphatierten Oberflächen erzeugt oder aufgezogen und sind daher für unsere Anwendungen ungeeignet. Lithiumstearat wird jedoch häufig als Suspension zur zusätzlichen Schmierung aufgebracht. Lithiumseife hat die bemerkenswerte Eigenschaft Öl „aufsaugen“ zu können und bindet sich mit diesem zu (je nach Menge des Basisöls) dickflüssige Pasten oder gar festen Schmierfetten. Der Vorteil dieser Fette ist die einfache Handhabung. Die Seife verläuft nicht, hat also ein geringes Kriechvermögen, bietet aber wegen seiner enormen Viskosität einen erheblichen hydrodynamischen Widerstand gegen das Verdrängen. Das heißt das Fett bleibt selbst bei Belastung genau dort wo es aufgetragen wird und wird nicht einfach zur Seite gedrängt. Dadurch ergeben sich eine sehr gute Trennwirkung und ein akzeptabler Reibwert. Diese Fette verringern ihre Viskosität meist mit steigenden Temperaturen und wirken dort, wo vermehrt Reibung und somit Wärme entsteht gezielt besser schmierend, wohingegen sie leichtgängige Oberflächen gut voneinander trennen. Leider kommen unsere Airsofts selten in den Temperaturbereich bei denen das Fett seine volle Schmierwirkung entfalten kann. Trotzdem sind diese Fette wegen ihrer Verschleißmindernden Wirkung insbesondere dort wo große Laufflächen aufeinander gleiten sollen optimal.
    Besonders spannend wird es, wenn Fette mit sog. Füllstoffen (auch bekannt als Feststoffschmiermittel) versetzt werden, um besondere Eigenschaften zu erzeugen. So kann zum Beispiel jeder beliebigen Paste MoS2 zugefügt werden. Zu erkennen sind solche Pasten an ihrer dunkelgrauen oder gar schwarzen Färbung. Lithiumseife mit MoS2 ist der Standard für die Schmierung von Heavy Equipment wie z.B. Baggerarmen oder Maschinengelenke. Wegen seiner hohen Viskosität und Langzeittrennwirkung sind solche Pasten besonders für schwer zugängliche Bauteile von hoher Bedeutung. Man denke an die Gearbox einer AEG, die man nun wirklich nicht immer wieder auseinanderbauen möchte. Wem die schwarze Färbung (psychologischer Effekt = Schmutz) nicht behagt, der kann auf Pasten mit PTFE Zusatz zurückgreifen.


    Öle


    Das Feld der Öle ist unendlich groß. Auf dem Markt tummeln sich unzählige Varianten. Synthetisch, vegetabil, mineral, silikon… es gibt zu viele um sie hier aufzuzählen. Ein Wort der Warnung. Petroliumderivate wie z.B. Mineralöle schmieren ganz hervorragend, können jedoch Dichtungen und Plastik auf Dauer angreifen. Es spricht nichts dagegen Stellen zu schmieren an denen kein Kunststoff beteiligt ist, ich würde jedoch davon abraten diese Öle an Dichtungen zu verwenden. Von besonderem Interesse sind bei den Ölen ihre Viskosität und Kriechfähigkeit. Beide Eigenschaften verhalten sich meistens antiproportional, das heißt wenn die Viskosität steigt, sinkt meistens auch die Kriechfähigkeit. Die Kriechfähigkeit eines Öls beschreibt sein Vermögen aufgrund von Kapillarkräften in winzigen Rillen und Unebenheiten in der Oberfläche zu wandern und somit zum Einen Stellen zu erreichen, die schwer zugänglich sind und zum Anderen seinen schützenden Ölfilm selbstständig zu heilen. Besonders eindrucksvoll ist mir in Erinnerung, wie ein Kriechöl aus der Marine den Arm hinauf bis zur Schulter wandert, nur wenn man die Fingerspitze in das Öl taucht. Solche Fähigkeiten sind natürlich für unsere Anwendungszwecke irrelevant.
    Ich rate grundsätzlich von der Verwendung von Ölen aus der Spraydose ab, auch wenn diese in der Anwendung sehr einfach sind. Die Öle in der Spraydose sind immer in ihrer Viskosität niedriger als ihre Geschwister aus der Flasche, damit das Öl überhaupt durch die Düse passt. Somit verläuft es schneller, der Ölfilm ist jedoch auch dünner und empfindlicher. Außerdem sind die Treibmittel schlecht für die Umwelt und die Airsoft.


    Prinzipiell ist Schmierung kein Hexenwerk und sollte nicht teuer sein (sie dient ja dazu die Kosten niedrig zu halten!). Es gibt keinen vernünftigen Grund kein billiges Öl zu nehmen. Der Grund warum ich ein iPhone habe ist der gleiche warum ich teure Öle verwende.
    Für die Schmierung einer Airsoft ist es keine schlechte Idee eine Mischung aus hochviskosen Pasten und dünneren Ölen zu verwenden, je nach Anforderung / Stelle.


    Kommen wir zu einzelnen Produkten die ich vorstellen möchte.


    Lupus PTFE Produkte


    Lupus ist ein Name der in Deutschland oft fällt wenn es um Teflonschmierung geht. Lupus bietet zwei kompatible Produkte an, ein Teflonöl und ein Teflonfett. Das Fett hat eine zähe aber nicht harte Konsistenz und lässt sich bestens mit einem Stäbchen oder einem Tuch in die Oberfläche einreiben. Das Fett ist versetzt mit PTFE und soll laut Hersteller in einer sehr dünnen Schicht aufgetragen werden. Mit einem weichen Tuch soll überschüssiges Fett abgewischt werden, um einen nahezu trockenen Film zu erreichen. Das funktioniert auch sehr gut. Ich benutze das Teflonfett immer für das Exterieur meiner Waffen um diese vor Abnutzung, Verschmutzung, Korrosion und Fingerabdrücken zu schützen. Ein kleines Bisschen auf ein weiches Tuch aufgetragen und in die Oberfläche eingerieben wirkt da wahre Wunder.
    Für Kontaktstellen mit hoher Anforderung und viel Verschleiß (Gleitflächen des Schlittens, insbesondere bei Metall auf Kunststoff) lasse ich eine schöne Schicht des Fettes zurück um eine zusätzliche Trennwirkung zu erzielen.
    Das ebenfalls erhältliche Öl ist mit dem Fett absolut kompatibel und kann sogar verwendet werden um eine Mischung herzustellen. Das Öl ist von seiner Viskosität eher Dünn und verläuft selbsttätig. Dafür hat es eine sehr hohe Kriechwirkung und kann ganz vorzüglich dazu verwendet werden leichtgängige mechanische Teile zu schmieren. Ein Tropfen auf die Abzugseinheit reicht um das gesamte System zu schmieren.
    Auf eine Messerklinge aufgetragen trocknet das Öl selbsttätig binnen einiger Minuten/Stunden zu einem semi-trockenen Film mit hoher Schmier- und Schutzwirkung.
    Der Geruch der beiden Produkte ist erstaunlich neutral.


    Tetra Gun


    Tetra Gun bietet zwei verschiedene Lubrikationsprodukte an. Das Fett ist erhältlich in einer kleinen Tube und kann sehr gezielt aufgetragen werden. Die Konsistenz des weißen Schmiermittels würde ich als dünne Paste bezeichnen, ähnlich einer Zahnpasta. Das Mittel lässt sich sehr gut verteilen und verläuft nicht. Hier gilt das gleiche Prinzip wie bei Lupus. Verreiben, kurz warten, abwischen und den trockenen Film genießen. Zusätzlich werden bei mir beanspruchte Laufflächen mit einem extra Film von dem Fett versehen um eine zusätzliche Trennwirkung zu erreichen. Das Fett ist nicht besonders intensiv im Geruch.
    Das erhältliche Öl ist von seiner Konsistenz her deutlich viskoser als das Lupus Öl und ebenfalls voll kompatibel zum Fett. Erstaunlicherweise finde ich dieses Öl großartig, es ist der ideale Kompromiss zwischen Paste und Öl, Trennwirkung und Schmierung. Der aufgetragene Tropfen verläuft nicht ohne weiteres, ist aber deutlich schmieriger (da niederviskos) als das Fett. Ich verwende das Lubricant nicht genau wie vom Hersteller beschrieben, das heißt ich wische es nicht ab. Ich trage einen dünnen Film auf die Oberfläche auf und reibe ihn gut ein, wische überschüssiges Öl aber nicht ab. Ich bin mit meiner WE M4 vollständig auf dieses Lubricant umgestiegen und bin beeindruck von der Schmierleistung. Alles läuft extrem leichtgängig und ist mit einem gleichmäßigen Ölfilm bedeckt. Die Kriechfähigkeit ist deutlich niedriger als bei dünneren Ölen, aber reicht aus um den Film selbsttätig zu heilen und Rillen selbsttätig zu füllen und schwer zugängliche Teile (wie die Laufflächen des Charging Handle) eigenständig zu benetzen. Das Teflon im Öl bietet zusätzliche Leichtgängigkeit und einen Notlaufschutz. Das Lubricant ist deutlich preisgünstiger als das Fett von Tetra. Der Geruch ist jedoch sehr stark und nicht jedermanns Sache. Für mich ist der Geruch mittlerweile Synonym mit gut geschmiert.
    Sollte jemand nur ein einziges Produkt wünschen, würde ich ihm empfehlen für 10€ 120mL dieses Lubricants zu kaufen und gut ist.


    Fluna Tec Gun Oil


    Fluna Tec bietet (teilweise unter anderem Namen, je nach Shop) ein Keramik-Öl an. Das klingt nach High-Tec! Ist es auch. Ich kann nicht mit Sicherheit sagen um was es sich genau bei der Keramik handelt, ich hatte jedoch schon beruflich mit diversen Keramik bubbles als Füllstoffen zu tun. Die Kugeln sind meist erhältlich in sehr kleinen Körnungen, sie ziehen auf Oberflächen auf, versiegeln diese und gleiten wegen ihrer hohen Härte sehr gut aneinander. Zusätzlich ist noch eine geringe Menge PTFE im Öl. Das Öl in der Flasche hat eine relativ niedrige Viskosität, leicht höher als die des Lupus Öls. Das Öl hat eine ausgezeichnete Kriechfähigkeit und trocknet selbsttätig zu einem dünnen semi-trockenen Film auf (nicht zu dick auftragen). Ich verwende dieses Öl um schwer zugängliche Stellen gezielt leichtgängig zu machen. Eine echte Empfehlung ist dieses Öl für Klappmesser; ein Tropfen auf jede Seite des Scharniers und das Ding läuft. En Tropfen auf die Fläche der Klinge und gut verrieben gibt einen schönen trockenen Schutzfilm, macht die Oberfläche wasserabweisend und schützt vor Korrosion (zu einem gewissen Grad, versteht sich). Da das Öl keine zuverlässige Trennwirkung bietet ist es nur bedingt für verschleißgefährdete Stellen wie Metall auf Kunststoffflächen zu empfehlen.


    Begadi Schmieröl


    Das Begadi Produkt „Gun Lube“ ist ein schön viskoses Öl mit hoher Kriechfähigkeit. Leider konnte ich nicht viel über das Öl in Erfahrung bringen. Das Öl an sich ist völlig klar und farblos, daher vermute ich dass es sich um ein Silikonöl handelt. Das Öl ist versetzt mit einem schwarzen Füllstoff (sprich das Öl ist eigentlich schwarz), wahrscheinlich handelt es sich um MoS2 oder Graphit. Begadi selbst empfiehlt dieses Öl uneingeschränkt für Magazine, Dichtungen etc. das spricht auch für ein Silikonöl. In der Tat gibt es nahezu keine Silikonöle mit Füllstoffen für unsere Anwendung zu kaufen, daher finde ich dieses Öl erwähnenswert. Silikonöl (vermutlich) mit Füllstoff für Reibwertverminderung und Notlauftrennwirkung. Natürlich funktionieren Füllstoffe in niederviskosen Ölen deutlich schlechter als in hochviskosen (sie werden einfach mit weggewaschen), aber sie sind dafür bekannt den Reibwert zu erniedrigen. Leider ist das Öl schwarz und schmutzig. Begadi, warum macht ihr kein Silikonöl mit PTFE zusatz? Anyway, das Öl ist günstig und funktioniert tadellos. Wer eine Bestellung bei Begadi offen hat, kann hier also zugreifen und hat erst mal ausgesorgt.


    Begadi Schmierfett (Sprühflasche)


    Begadi bietet weiterhin ein Schmierfett aus der Sprühflasche an. Das Zeug mag ich nicht. Es müffelt und lässt sich mit der Flasche nur sehr unkontrolliert auftragen. Ich verwende es um die Fahrrdkette zu schmieren.

  • Da der erste Teil meiner Ausführungen über die Schmierung sehr gut angekommen ist, folgt hier Teil 2.
    Die grundlegenden Dinge haben wir in Teil 1 diskutiert. Meiner Meinung nach gibt es zwei elementare Funktionen eines Schmierstoffes: Trennen und Schmieren.
    Schmierung definiere ich in loser Anlehnung an die Fachliteratur als das über eine gewisse Zeit konstante herabsetzen des Reibwertes zwischen zwei Flächen und ist von besonderer Bedeutung bei leichtgängigen mechanischen Teilen. Trennung definiere ich lapidar als die Eigenschaft Verschleiß über diesen gewissen Zeitraum zu verringern. Beide Funktionien sind für einen gegebenen Schmierstoff vorhanden, jedoch ist die Balance aus Beidem das was wir suchen, denn wir haben in einer Airsoft hochbelastete Flächen (z.B. Metall auf Plastik) und leichtgängige bewegliche Elemente (sonst hakelt der Schlitten). Ich möchte ein paar der weniger häufig angesprochenen Schmiermittel vorstellen und einige Tips zu deren Anwendung erläutern.


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    Tips&Tricks


    An dieser Stelle möchte ich eine Lanze brechen für sogenannte Swabs. Dabei handelt es sich um fusselfreie, chemikalienbeständige Putz und Auftraghilfen aus der Optikindustrie. Selbstverständlich sind diese Dinger wahnsinnig teuer und völlig übertrieben, aber wer hohe Ansprüche hat, oder sonstwie günstig an diese Swabs kommt sollte diese für das Auftragen seiner Schmiermittel in betracht ziehen. Die Swabs sind weich, verteilen Fette und Öle sehr gleichmäig und sind bis zu einem gewissen Grad sogar wiederverwendbar. Auf dem Foto ist vorne ein Swab zu erkennen; aber Achtung. Niemals (!) Swabs verwenden die für Sensorreinigung oä. mit einem Reinigungsmittel vorbehandelt sind verwenden (das steht dann explizit auf der Verpackung).
    Das Arbeiten mit diesen Swabs ist etwas ganz anderes als mit Q-Tips. Meine Lauffflächen sind jetzt fusselfrei und das ist doch etwas wert. Ein Fussel (oder andere Kontaminationen) nennt man in der Tribologie übrigens einen third body und der wird generell nicht als positiv angesehen.


    Und jetzt noch ein Profi-Tipp. Vielleicht habt ihr den Begriff "glatt ziehen" schon mal gehört? Wie eingangs und in Teil 1 erwähnt ist Grease tendentiell besser für den Verschleißschutz, macht Laufflächen aber nicht immer zuverlässig glitschig (i.e. niedriger Reibwert). Das liegt daran dass die meisten Fette (oder besser Grease, chemisch gesehen ist Fett nämlich völlig daneben) aus zwei Komponenten bestehen; einem Füllstoff (Lithiumseife, PTFE oä.) und einem Trägeröl (Mineral, Synthetik, you name it). Das glitschige Öl wird nur bei Belastung freigesetzt. Ruht der Schlitten, oder ist nicht aktiv in Bewegung ist die Masse zähflüssig und klebrig. Hier kommt der Unterschied zwischen Haft- und Gleitreibung zum Tragen. Die Haftreibung ist höher als die Gleitreibung und muss erst mal überwunden werden um den Reibwert wirklich niedrig zu halten. Hakt eine Waffe ein bisschen hilft ein Fett nicht unbedingt um sie wieder leichtgängig zu machen. Ein Öl macht die Flächen tendentiell glitschiger, ist aber wie in Teil 1 diskutiert auf Dauer nicht so gut im Verschleißschutz und wird ggf. schnell verdrängt. Ein Dilemma!


    Als glatt ziehen bezeichnet man die korrekte Kombination von Grease und Öl. Die Verfahrensweise ist denkbar einfach:
    Mit einem Swab wird wie gewohnt eine dünne Schicht des Fettes auf die Flächen aufgetragen. Im nächsten Schritt wird ein mittel oder niedrigviskoses Öl auf das Fett gegeben und mit einem Swab dünn auf dem Fett verteilt. Ziel ist es den Fettfilm nicht wieder abzuwischen und ein Zweischicht-Paket aus Substrat-Fett-Öl zu erzeugen.
    Werden nun zwei so glatt gezogene Flächen aneinander gerieben stellt sich das tribologische System folgendermaßen dar:


    Fläche 1 - Fett - Öl - Öl - Fett - Fläche 2


    oder


    Fläche 1 - Hochviskos- Niederviskos- Niederviskos- Hochviskos- Fläche 2


    Die zwei Ölflächen gleiten glitschig aufeinander und das darunterliegende Fett sorgt für Verschleissschutz und zusätzliche Trennung. Diese Methode erfordert ein bisschen Übung ist aber schnell gelernt. Wichtig ist es die Schichten dünn aufzutragen. Aus diesem Grund ist es wichtig miteinander uneingeschränkt kompatible Grease und Öle zu verwenden.
    Dieser Tipp ist übrigens ganz besonders wichtig bei der Verwendung von Silikonfett. Silikonfett ist anders als klassische Grease keine Kombination aus Öl und Füllstoff, sondern lediglich ein extrem langkettiges Silikonöl. Je länger die Molekülketten, desto höher die Viskosität. Dieses Fett ist unheimlich stabil und wird nicht leicht verdrängt. Der Verschleissschutz ist sehr hoch. Allerdings ist das Zeug absolut klebrig und macht Flächen eher schwergängig als leichtgängig. Eine dünne Schicht dünnflüssiges Silikonöl auf Silikonfett wirkt daher wahre Wunder.


    Diese Technik ist also für große Laufflächen mit hohem Verschleiß aber gleichzeitiger Leichtgängigkeit geeignet. Ideal für den Schlitten und den Außenlauf oder einen Bolt.



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    v.l.n.r aeronix PTFE Paste, glitschig und schmierige Paste, weiß; Lupus PTFE Fett, gelb, Geruch nach natürlichem Wollfett/Mineralöl, feste Konsistenz; Tetra Gun grease, weiß, mittelstarker süßlicher Geruch, hochkonzentriertes PTFE


    Jetzt zu einzelnen Produkten:


    Bei meinem Rundgang im örtlichen Conrad Elektronikmarkt bin ich auf eine ganze Serie von Silikonlen in sämtlichen Viskositäten gestoßen. Die Öle werden verkauft als Differenzialöle und sind mit einer Viskosität in cP gekennzeichnet. Die Flasche kostet knap über 5 Euro und hält einem Spieler eine ganze Weile. Ich fand es erwähnenswert einen so verbreiteten örtlichen Händler gefunden zu haben um sich auf die Schnelle mit den wichtigsten Ölen einzudecken. Ich habe mich für die Viskosität 20.000 entschieden. Meine Güte, ist das Zähflüssig. Konsistenz wie Honig, aber grade noch so aus der Flasche zu quetschen. Das Öl bleibt genau dort wo es aufgetragen wird und ist ein schönes Mittelding aus Fett und Öl. Kauftipp für alle die ihr Nozzle oder Gummidichtungen schmieren wollen.


    Aeronix-PTFE Paste


    Ebenfalls bei meinem Rundgang im Conrad entdeckt. Übrigens in der Remote Controll Abteilung; macht ja auch Sinn. Die Jungs haben Plastikzahnräder die höchsten Ansprüchen genügen müssen. Die Paste ist ziemlich (ZIEMLICH!) Teuer. 35mL haben mich irgendwas um die 15€ gekostet.... autsch. Das Sicherheitsdatenblatt dieser PTFE Paste legt nahe dass es sich um ein Silikonöl angedickt mit PTFE handelt (uhhhh, cool!). Die Paste wird als unbedenklich für alle unsere Materialien eingestuft. Die weiße Paste ist vollkommen Geruchsfrei und von sensationell glitschiger Konsistenz. Die Paste ist nicht klebrig und lässt sich hervorragend ohne weiteres Mittel glatt verstreichen. Auf eine Oberfläche aufgetragen bleibt ein durchsichtiger Film zurück, der auf meiner HK45 mit Ra-Tech Stahlschlitten für perfekte Trennung und Leichtgängikeit sorgt. Ich bin hellauf begeistert von diesem Mittel und lege jedem nahe sich das mal anzuschauen.


    Super Lube (Syncolon)


    Im US-Amerikanischen Raum ist häufiger das Produkt Super-Lube anzutreffen. Es handelt sich dabei um eine Serie recht unscheinbar anmutender Produkte. Erhältlich ist ein Fett (Super Lube Multi Purpose Grease with Syncolon) und ein Öl (erhältlich in hochviskos und niederviskos). Zusätzlich führt der Hersteller ein Silikonöl (ohne Zusatz) und ein Silikonfett mit PTFE, diese sind mir aber nicht bekannt. Grundlage für das Öl und das Fett ist ein synthetisches Öl. Mineralöle und synthetische Öle sind zunächst gar nicht so unterschiedlich, synthetische Öle sind meist nur die synthetisch hergestellten Komponenten die im Mineralöl vorkommen. Es gelten also die gleichen "Vorsichtsmaßnahmen" wie bei Mineralöl. Plastik ist höchstwahrscheinlich kein Problem, Gummi ist ggf. nicht kompatibel. Ich verwende Öl und Fett überall, nur nicht auf dem Nozzle.
    Der Hersteller selbst spricht aber von voller Kompatibilität und die Kollegen aus den USA haben keine Probleme berichtet, soweit ich weiß.


    Ich habe zunächst das Öl (hochviskos) bestellt, das Fett wird nachgeliefert. Die Produkte sind nicht teuer, der Versand allerdings recht hoch (da nur erhältlich in Belgien, NL oder im EU-Shop). Das Öl ist durchsichtig aber leicht Trübe (wegen dem PTFE d'uh) und sehr glitschig. Auf eine Fläche aufgetragen bleibt es genau dort wo es hingehört, der Film hat selbstheilende Fähigkeiten. Wird der Film mit dem Fingernagel weggedrückt, schließt er sich selbsttätig. Die Schmierwirkung ist sehr gut, das Produkt völlig geruchslos. Wer ein einfaches, klassisches Öl will, der wird hier fündig werden. Das Produkt ist laut Sicherheitsdatenblatt völlig unbedenklich.


    Finish Line extreme Fluoro


    Beim Recherchieren was der geneigte Fahrradspezialist so in Petto für seine Zahnräder hat, bin ich auf ein besonderes Produkt gestoßen. Finish Line extreme fluoro ist ein Gemisch aus DuPont Teflon (PTFE) und Perfluoropolyalkylether (PFPAE). Beides sind high-end Fluor-Schmierstoffe. PFPAE ist ein extremer flüssiger high-end Schmierstoff und der wurde in diesem Produkt mit PTFE angedickt. Das Gemisch kommt in 20g Spritzen und wird äußerst sparsam verwendet um Flächen dauerhaft zu schützen und lauffähig zu halten. Die Konsistenz ist schwer zu beschreiben; der Stoff ist fest, lässt sich aber gut verteilen und in die Oberfläche einreiben. Das Gemisch ist nicht klebrig, verläuft aber logischerweise nicht. Paste trifft es ganz gut. Beide Inhaltssoffe sind zu 100% Kompatibel mit Gummi, Plastik etc. und können zur Abdichtung von O_Ringen verwendet werden. Das Produkt wird auf Laufflächen aufgetragen, eingerieben und wirkt dort dauerhaft (der Hersteller spricht sogar von "ewig") schmierend. Ich habe damit meine Spyderco Messer behandelt und bin hochgradig zufrieden mit dem Ergebnis. Die Klingen gleiten Sanft und ohne Reibung. Die Führung ist geschmeidig und nicht glitschig, man merkt den Unterschied deutlich. Ob und wie das Produkt auf Feuerwaffen angewendet werden kann habe ich noch nicht entschieden. Auf jeden Fall ist das Produkt ein echter High-End-Orgasmus, aber wie immer wohnt es sich in Luftschlössern so schlecht...

  • Tolle Arbeit :good:

    „Die billigste Art des Stolzes ist hingegen der Nationalstolz. Denn er verrät in dem damit Behafteten den Mangel an individuellen Eigenschaften, auf die er stolz sein könnte.“ (Arthur Schopenhauer, 1788–1860)


    In Memoriam Bulldoxx ......gone but not forgotten

  • Der Beitrag sollte Pflichtlektüre werden, bei jeder Neuanmeldung.


    Danke für diesen nützlichen Beitrag.
    Gleich mal wieder was dazugelernt :krank:

  • Tolle Fortsetzung vom ersten Teil :thumbup: ....muß ich auch mal ausprobieren mit dieser Fett-Öl-Öl-Fett Kombination ;)


    Ich verwende sonst für alle Gleitfächen das Abbey GunGrease (Molybdänsulfitbasis) und bin damit sehr zufrieden!


    ....FrogLube habe ich schon seit einiger Zeit hier liegen aber leider noch nicht getestet!

    „Die billigste Art des Stolzes ist hingegen der Nationalstolz. Denn er verrät in dem damit Behafteten den Mangel an individuellen Eigenschaften, auf die er stolz sein könnte.“ (Arthur Schopenhauer, 1788–1860)


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  • rasgas hat mich auf Dein Kompendium hingewiesen, da ich als GBB-"Novize" hier noch nicht alles durchgeforstet habe, aber als auch "Scharfwaffenschütze" gleich meine Schmiermittelerfahrungen hier einbringen wollte. Du bestätigt meine Erfahrung mit TetraGun und es ist also auch eine sehr gute Wahl bezüglich aller Softairs. Eines ist aber beim Gebrauch mit dem Öl zu beachten: die PTFE-Partikel neigen dazu, sich nach längerem Stehen in der Flasche nach unten abzusetzten. Es empfiehlt sich also, ein paar Kugeln oder 3mm Schrauben reinzutun und dann vor jedem Gebrauch kräftig (wie 'ne Farbdose!) zu schütteln ...


    Hab' da noch was: der SIG 210-"Papst" (SIG210 / P49 = die ehem. schweizerische Militärpistole) - ein Herr Berty - versorgt die 210-Puristen mit Ersatz- und Tunigteilen. Und er hat ein spezielles "Abzugsfett" (wg. der hohen Andruckkräften in der Abzugsrille!) entwickelt, was wirklich super ist. Spreche aus Erfahrung, da alle meine Abzüge damit prima laufen: http://www.pistolenspezialist.…hops/62174389/Products/10


    Könnte mit vorstellen, dass das bei diversen Softair-Spritzgussbuffen speziell an hochbelasteten Reibstellen auch wahre Wunder wirkt 8) ...

  • Ich habe die beiden Kompendien zusammengefügt. Das Postdatum wurde vom zweiten Teil so bearbeitet, dass es unter dem ersten steht. Von daher bitte nicht wundern Lemming ;)

  • Ist es nur mich oder haben ihr uach der erfahrung das Silikon öl aus der dose schnell träge wird ? Ich nutze nur der Silikon öl von airsoft innovation und auch wann ich den erneurt habe ich nicht der gefühlt das der träger geworden ist. Als ich aus der sprühdose benutzt habe, finde ich das der träge werde ?

  • Der Balistol öl ist genau was ich benutzt habe ... der wird in, ich schätze, 6 monate träge ... ich habe waffe womit ich nicht so oft spiele und da habe ich es erst bemerkt ...