Review from the past: Tanaka Colt SAA NBB

Titel

Bezeichnung: Tanaka Works Colt Single Action Army .45 (Modell Artillery 5,5 Silver)
Gewicht: 720 Gramm
Magazin: 18 Schuss
Hop-Up: Ja, fest
Blow-Back: nein
Gas: HFC134a
Stärke: 260 fps / 0,63 Joule
Preis: 159,- Euro (in Nicht-Deutschland)



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Daran muß ich mich erst gewöhnen - bei der Frage nach einer bestimmten Pistole nicht gefragt zu werden "Watt ?", sondern "Welches Modell ? Ich habe die Civilian, Artillery und Cavalry...". Ist mir in Deutschland noch nie passiert. Warum eigentlich ?!?

Aber von Anfang an. Seit ich auf Airsoft Retreat das Review vom Colt S.A.A. gelesen hatte, wollte ich diesen Revolver ebenfalls haben. Ich mag ungewöhnliche Waffen und ein Airsoft-Revolver ist ungewöhnlich. Aber woher nehmen ?

Bei G.S.G. ist genau dieser Revolver schon seit 2004 in der Datenbank angekündigt. Zu bekommen ist er bis heute nur in Ausnamefällen zu unverschämten Preisen. Und es sieht auch nicht so aus, als würde sich daran etwas ändern.

Als ich dann bei einem mir gut bekannten Händler im nahen Ausland Bilder des Colts in der Chrom-Version gesehen habe, bin ich fast ausgeflippt. Und der Preis erst - 159,- Euro. Für den Preis würde man hier höchstens einen taiwanesischen Nachbau bekommen.
Da aber die deutschen Behörden eine etwas merkwürdige Einstellung zu (Erwachsenen-) Spielzeug haben und das "F"en genau so viel kostet wie der Revolver, muß ich mich halt mit einem Test im Ausland begnügen. Gut, wenn man Verwandtschaft im befreiten Ausland hat. :D

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Ist der echt ?

Nein, das habe ich natürlich nicht gefragt, ich habe ihn ja selbst aus der Verpackung genommen. Aber er fühlt sich echt an. Es ist sehr viel Metall verbaut worden und die Teile aus verchromtem Plastik sind davon nicht zu unterscheiden. Die anderen Modelle in schwarz wirken dagegen nicht ganz so realistisch, sehen aber noch immer verdammt gut aus ! Das getestete Modell ist die Ausführung "Artillery" mit 5,5 Zoll langem Lauf. Meiner Meinung nach das optisch ausgewogenste Modell. Die 4,5 Zoll kurze "Civilian" wirkt fast schon zu modern. Die 7,5 Zoll lange Cavalry ist mir dagegen zu unhandlich. Wobei "unhandlich" noch viel eher auf die ebenfalls im Laden erhältliche Smith & Wesson M500 zutrifft. Mit 8,75 Zoll Lauf...

Die Verarbeitung ist perfekt. Es gibt einfach keine Gußnähte oder falsch platzierte Schrauben. Da knarzt oder klappert absolut nichts. Selbst die TM Desert Eagle, bisher meine qualitative Referenz, kommt da bei weitem nicht heran. Nicht umsonst wird Tanaka Works auch als "Western Arms der Revolver" bezeichnet.

Zu den Metallteilen gehören große Teile des Rahmens, äußere Trommel, Abzug, Hahn und Auswerferklappe. Der Außenlauf ist dagegen aus ABS. Gut, das Feeling ist zwar bei jedem Karnevals-Revolver sehr ähnlich, aber spätestens, wenn man den Hammer spannt, merkt man den Unterschied. Das Schloß ist absolut authentisch und geht wirklich butterweich. Das Klicken der Trommel läßt einen an einen echten Revolver glauben...

Die schwarzen Griffschalen stören vielleicht etwas den Realismus, Holz (-imitat) wäre sicherlich besser gewesen. Da der Tanaka Colt aber angeblich die exakten Maße des Originals hat, kann man sich mit echten Griffschalen (bzw. Repliken) behelfen. Ich werde das zu gegebener Zeit überprüfen.

Das Gewicht ist mit 720 Gramm dagegen schon sehr nahe am Original. Und das Handling ist halt Revolver-typisch. Wer, wie ich, vorher viel mit einer Glock geschossen hat, wird mit dem Griffwinkel und der hohen Visierlinie so seine Probleme haben. Aber das es sich ja um einen Single Action handelt, kann man sich vor jedem Schuß umstellen.

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Die Verpackung ist - typisch für japanische Softairs - etwas verspielt, mit einem Foto der Waffe. Keine schlichte, fast originalgetreue Anmutung einer Marushin. Eher der Karton einer TM. Die Pistole liegt dann auch - pfui - in einer Styroporverpackung.
Der Lieferumfang ist dann doch auf das Nötigste beschränkt. Ein Spezialwerkzeug zum Entfernen der Trommel, ein Inbusschlüssel (wofür auch immer, das Hop-Up ist fix), ein Adapter für die Gasflasche, die Anleitung auf japanisch und eine Tüte Kugeln. Letztere war bei mir schon offen, was die Kugeln dann auch prompt ausnutzten, um in die Freiheit zu entfleuchen. Und das mitten im Laden... *schäm*

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Zu den Markierungen. Auf dem Lauf steht links ein eingraviertes "Colt Single Action Army .45". Oben steht, etwas deutlicher eingeprägt, "COLTS PT.FA.MFG. CO. HARTFORD CT. U.S.A.". Auf der linken Seite des Rahmens findet sich dann noch ein kleines "Pat. Sep. 19 1871 July 2 73 Jan 19 75" und das typische Pferd. Selbiges ziert auch, etwas größer, die Griffschalen. Unten, unter dem Rahmen steht dann auch ziemlich versteckt "ASGK MFG TANAKA".

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Sehen wir mal genauer hin. Dabei bemerkt man schon, daß viele Teile nicht echt sind. Wobei sich das sich einfach aus der Konstruktion ergibt. So ist die Mündung sofort als 6mm-Airsoft zu erkennen. der Inner-Barrel endet etwa 15mm vor der Mündung und geht in einen Trichter über. Durch die Verchromung ist das natürlich leicht zu erkennen. Und auch die Patronenkammern - die kleinen 6mm-Kugeln sind leicht von .45er Patronen zu unterscheiden. Wenn es irgendwo dunkelgraue 0,25er BBs gibt, könnte man die vielleicht verwenden. Das würde den Eindruck sicherlich aufwerten.
Als Replika ist diese Waffe also nur bedingt tauglich, was aber auch Vorteile haben kann. Der "Bedrohungsfaktor" (und damit die Möglichkeit des Missbrauchs) sind gering.

Aber nun ist es Zeit, mal ein paar Probeschüsse abzugeben.

Das Laden ist wirklich einzigartig. Zunächst eine Erklärung für die, die das "Pegasus"-System noch nicht kennen. Und das sollten in Deutschland ziemlich viele sein.
Ein Revolver ist als Airsoft besonders schwer zu konstruieren. Befindet sich das Ventil hinter der Trommel, ist die Beschleunigung der Kugeln sehr gering. Ein Teil des Gases geht an den Enden der Trommel immer verloren. Tanaka Works hat daher das Ventil in die Trommel verlegt. Und das funktioniert so:

Die äußere "Schale" der Trommel ist drehbar, wie bei einem echten Revolver. Der innere Teil, mit dem Gastank und dem Ventil ist dagegen fest. Die Kugeln werden in den äußeren Teil geladen und drehen sich mit der Trommel. Der Hammerschlag wird durch ein Gestänge in der Trommelachse übertragen und öffnet das Ventil im Inneren. Die Kugel, die vor den Lauf sitzt, wir abgeschossen.

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Zuerst muß man noch den Gastank füllen, indem man den Hahn halb vorspannt und die Trommel ein Stück dreht. Einer der sechs falschen Patronenböden enthält eine Öffnung, durch die man an das Ventil kommt. Jetzt kommt der Adapter zum Einsatz, weil die Spitze einer normalen Gasflasche zu kurz ist, um das Ventil zu erreichen. Wehe, wenn der Adapter mal verloren geht...

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Dann werden sechs Kugeln von vorne in die Trommel gesteckt. Sie halten erstaunlich gut, obwohl sie nach vorne fast frei im Gehäuse stecken. Danach kann man noch zwölf weitere Kugel in das Gehäuse der Auswerferstange füllen. Das geht etwas pfriemelig, da die Verriegelung sehr fest sitzt. Diese zwölf Kugeln werden dann automatisch in die leeren Kammern nachgeladen, während sich die Trommel dreht.

Danach muß man nur den Hahn komplett spannen und... *plöck*

HÄH?!?

Ja, ich war wirklich verblüfft, das Schußgeräusch zu hören. *plöck* - das Geräusch einer Spring... Klar, eine NBB hat natürlich kein geiles *ritsch-ratsch* des Schlittens. Aber so ein leises, harmloses Geräusch hatte ich dann nicht erwartet. Dafür ist die Stärke aber wieder ok.


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Zunächst einmal muß ich sagen, daß es mir bei mehreren Versuchen nicht gelungen ist, das Gas ohne Verluste einzufüllen. Trotz (oder wegen) des Adapters geht ein Teil daneben. Ein längerer Adapter aus Plastik wäre vielleicht geeigneter.

Hat man den Tank aber dann doch gefüllt, überrascht einen die Stärke. Auch wenn es das Geräusch nicht vermuten läßt - die Stärke entspricht einer TM Desert Eagle. Der Bierdosen-Test brachte eine dicke Delle mit einem Riß in der Mitte.
Gelegentlich wird die starke Streuung von Tanaka-Revolvern bemängelt. Ich kann das so nicht bestätigen, allerdings mag es da auch Unterschiede zwischen einzelnen Modellvarianten geben. Der Colt S.A.A. hat jedenfalls einen sehr engen Streukreis, wenn auch nicht immer da, wo man hingezielt hat. Zielen ist überhaupt so eine Sache, da des keine verstellbare Visierung sondern nur ein Korn und eine Kerbe in der Oberseite des Rahmens gibt. Aber mit einem solchen Revolver schießt man auch besser aus der Hüfte. :D

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Zum Hop-Up ist zu sagen, daß es fest auf 0,25er BBs (bei HFC134a) eingestellt ist. Nimmt man stärkeres Gas, muß man auch schwerere Kugeln verwenden. Mehr als GreenGas dürften die Ventile allerdings mit mitmachen. Die Gefahr einer Beschädigung ist bei einer NBB zwar geringer, aber mit Redgas sollte man sie besser nicht betreiben. Wenigstens liegt ein zweiter O-Ring in der Verpackung...


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Bisher habe ich den Revolver nicht komplett zerlegt. Nach der Anleitung zu urteilen, ist es aber wohl nicht besonders schwer. Zumindest nach den Bildern. Was im Text steht, kann ich allerdings nicht sagen.
Die übrige Pflege dürfte sich auf gelegentliches ölen der beweglichen Teile und Einsprühen der Dichtungen beschränken. Aber alles nur mit Maßen, schließlich ist es ja keine BlowBack. Da man, außer an das Einfüllventil, nicht an die relevanten Teile herankommt, ohne zu schrauben, sollte man am Besten Abbey Predator Maintenance Gas verwenden.

Bei anderen Revolvern von Tanaka habe ich eine Beschreibung gefunden, nach der die Stärke einstellbar ist. Dies könnte auch für die S.A.A. zutreffen, ein ähnliches Bild findet sich jedenfalls in der Anleitung.

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Um es direkt zu sagen: wer mit dieser Waffe spielt, gehört... egal, keine Strafe wäre angemessen.

Wer es dennoch versucht - die Stärke und Genauigkeit sind gut genug, nur wer in Eile nachladen muß, hat ein Problem. Ein großes Problem... Ladezeiten spielen sich eher im Minutenbereich ab. Mit viel Übung schafft man es vielleicht auch unter 30 Sekunden. Aber Zeiten wie bei einem Magazinwechsel sind nie zu erreichen.

Dieser Revolver ist ein Sammlerstück. Er gehört in eine Vitrine oder wenigstens in einen gepolsterten Koffer.

Auch für Wettbewerbe ist er nicht unbedingt geeignet. Durch den Single-Action-Abzug sind schnelle Schußfolgen jedenfalls unmöglich. Sollte es mal eine Disziplin "Westernschießen für Airsoft" geben, könnte er schon wieder interessant sein.


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Ich freue mich schon auf den Tag, an dem es diese Waffe legal in Deutschland zu erwerben gibt. Welche Ausrede den Importeuren auch einfallen mag - die Verfügbarkeit kann es nicht sein, wie ich gesehen habe. Und die fehlende Nachfrage dürfte sich spätestens mit diesem Review auch erledigt haben. Es gibt also keinen Grund, diesen Revolver nicht zu importieren. Wir sollten G.S.G. daran erinnern.

Der Preis hier dürfte sich anfangs so um die 200,- Euro bewegen. Nicht, weil der Import so teuer ist, sondern weil vergleichbare Waffen auch so viel kosten. Aber genau wie eine Western Arms, ist auch eine Tanaka jeden Cent wert. Dies ist kein Kinderspielzeug, sondern eine wirklichkeitsgetreue Replik.

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Samuel Colt wird ja oft nachgesagt, er hätte den Revolver erfunden. Das ist natürlich falsch, denn das Revolverprinzip gab es schon lange vor ihm. Was er allerdings erfunden und patentiert hat, ist ein Mechanismus, um die Trommel beim Spannen des Hahns zu drehen. Und ein Trommelstop, der die Patronenkammer (ursprünglich das Piston) vor dem Hahn arretiert.

Und auch der Colt Revolver Modell 1872, aus Marketinggründen genannt "Single Action Army", ist viel weniger innovativ, als vielfach vermutet. So war Colt eine der letzten Firmen, die Metallpatronen eingeführt haben! Schon 1855 hatte ein Mitarbeiter von Colt, Rollin White, diese Idee gehabt. Samuel Colt hielt aber nichts davon und White wechselte wenig später zu Smith & Wesson, die die Metallpatrone sehr erfolgreich vermarkteten.

Und auch das Sigle Action Prinzip war nicht mehr zeitgemäß. Schon 1878 brachte Colt selber mit dem "Lightning" eine Double Action Revolver auf den Markt, andere Firmen, wie Remington oder Smith & Wesson wesentlich früher.

Da sich sowohl bei der Armee, als auch bei der zivilen Käuferschaft viele konservative Kunden fanden, wurde das technisch simple Single Action trotzdem bevorzugt. Dazu kam dann noch die ausgewogene, zeitlose Form des "Peacemakers".

Produziert wurde der Colt von 1872 bis 1940, nach einer Unterbrechung dann wieder von 1956 bis heute. Und auch die Zahl der Nachahmer wächst bis heute. Die Modellvielfalt reicht vom gekürzten 2"-Lauf bis zum Karabiner mit 20"-Lauf und abnehmbarer Schulterstütze. Kein Westernfilm der letzten hundert Jahre kommt ohne einen "Peacemaker" aus. Der Colt Single Action Army ist auf jeden Fall eines - ein Klassiker!


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