Review from the past: Tokyo Marui M.E.U. GBB

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Modell: M.E.U.
Hersteller: Tokyo Marui
System: Gas Blow Back, Hop Up einstellbar
Kaliber: 6 mm BB
Max-Energie: ca. 0,9 Joule
Material: hochwertiger Kunststoff und Metallteile
Magazinkapazität: 28 Schuss
Gewicht: ca. 800 g
Gesamtlänge: ca. 220 mm
Preis: 170,- Euro


Einleitung

Eine 1911er Variante gehört ja eigentlich in jede GBB-Sammlung. Aber welche? Mittlerweile gibt es ja eine solche Vielzahl an Modellen (die sich aber oft nur in der Farbe unterscheiden), daß die Auswahl schwer wird. Zwei Modelle hatte ich ja bereits für Tests in der Hand gehabt (KJW und WE), aber ich hätte ja lieber eine Kimber MARSOC gehabt. Die gibt es nur nicht auf dem deutschen Markt.
Mit der Tokyo Marui M.E.U. erscheint aber sozusagen der Vorläufer der MARSOC in Deutschland, noch dazu von einem Spitzenhersteller. Die sollte es sein!

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Lieferumfang

Der Lieferumfang ist, wie immer bei Marui, umfangreich, aber nicht übertrieben. Die Waffe kommt in einer schön gestalteten Schachtel im "Desert MARPAT" Muster. Innen ist die Schachtel, wie auch von der 1911A1 bekannt, mit Stoff ausgeschlagen und man bekommt die Pistole, das Magazin und eine "Munitionsschachtel" schön präsentiert. Marui hat aus der Geschichte mit der A1 gelernt und bringt nun direkt zusätzliche Halterungen am Deckel an, damit Pistole und Magazin beim Transport nicht in der Schachtel herumfliegen.

Das Magazin ist verchromt und nicht, wie bei der 1911A1, schwarz lackiert/brüniert. Zusammen mit dem dicken Magazinschuh wirkt es so wesentlich moderner. Kleine Änderung, große Wirkung.

In der Munitionsschachtel verbergen sich dann wirklich eine Tüte BBs, ein Laufstopfen und ein Multitool zum Entfernen der Mündungsbuchse, bzw. leichteren Laden des Magazins.

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Außerdem gehören noch ein Reinigungsstab, ein (veralteter) Marui-Katalog und die Anleitung dazu. Die Anleitung ist leider wieder ein Rückschritt für Marui. Vielleicht ist der englischsprachige Redakteur noch nicht aus dem Koma erwacht (Ihr erinnert Euch...) und Marui traut Google-Translate mittlerweile auch nicht mehr. Wie auch immer, die Anleitung ist leider wieder komplett japanisch. Wenigstens sind die Bilder verständlich genug, daß man auch so klar kommt.

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Erster Eindruck

Schon in der Verpackung wirkt die Waffe jedenfalls sehr edel. Es handelt sich um eine klassische 1911 mit geradem Griffrücken, die mit ein paar Tuningteilen ausgestattet wurde. So gibt es umlaufende Pachmayr-Griffschalen (mehr dazu unten), einen einstellbaren Matchabzug, beidseitige verlängerte Sicherungsflügel, einen Ringhammer und eine Novak-Visierung.

Schon auf der Verpackung wir auf die original Novak-Visierung hingewiesen. Offenbar hat Marui da einen Deal mit Novak gemacht. Die Visierung hat allerdings trotzdem einen Nachteil - es gibt keine Dämmerungsmarken!

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Auch wenn die RS-Visierung so erhältlich ist - Novak hat Rear-Sights mit und ohne Dämmerungsmarken - ist es für eine Militärpistole doch eher ungewöhnlich, reine Match-Sights zu verwenden. Im Hellen sind die toll, aber in dunklen Räumen praktisch unbrauchbar. Zum Glück ist die Handlage einer 1911 so gut, daß man meist auch ohne Visierung auskommt. Aber ärgerlich finde ich das schon, zumal es durchaus Bilder gibt, auf denen zumindest eine Dämmerungsmarke auf dem Korn einer MEU zu sehen ist. Wenigstens ist die Visierung verstell- und damit auch prinzipiell auswechselbar.

Etwas enttäuschend ist das Finish, das doch sehr nach glänzendem Plastik aussieht. Das hat auch Marui schon mal besser hinbekommen, wenn ich mir so die Desert Eagle betrachte. Ganz unfair ist hier der Vergleich mit meiner Tanaka USP, bei der sogar eine spezielle Lackierung verwendet wurde, die realistisch "altert". Ebenso sind der komplett schwarze Lauf und die Patronenkammer nicht besonders realistisch. Etwas Chrom hätte da Wunder bewirkt. Hier gibt es deutlichen Punktabzug für Marui!

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Interessant sind auch die Markings. Die Beschriftung mit "Professional Cal.45" entspricht der MEU von Springfield Armory, aber das Logo fehlt... Und auch die "Pachmayr"-Griffschalen haben nicht die originale Beschriftung, auch wenn sie auf den ersten Blick authentisch wirken. Die Beschriftung mit "Pro-Grip" ist erst bei genauem Hinsehen zu erkennen. Offenbar geht man in Japan jetzt allen Patent- und Gebrauchsmusterstreitigkeiten aus dem Weg.

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Der Schlitten hat auch vordere Durchladerillen, was bei heutigen 1911ern üblich ist. Ich persönlich kann mich damit zwar nicht anfreunden (beim Durchladen vorne anzupacken hat so etwas "Gängsta"-mäßiges), aber es gehört halt bei dieser Waffe dazu. Angenehm sind dagegen die verlängerten Sicherungsflügel, die man nun wesentlich leichter betätigen kann.

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Technik

Das System der MEU entspricht den bekannten 1911A1 und Detonics-Modellen von Marui. Die Magazine lassen sich also auch austauschen, solange man nicht das der Detonics in den größeren Pistolen verwenden will. :D
Und um auch das noch zu klären - die Magazine der WE 1911 passen nicht. Sie sind etwa einen Millimeter zu breit. Damit bleiben kostengünstige Ersatzmagazine vorerst ein Wunschtraum.

Außerdem hat auch die MEU wieder spezielle Bohrungen für die Griffschalen, so daß Griffschalen für die WE und KJW-Modelle nicht passen. Zumindest nicht ohne Nacharbeit.

Die Metallteile der Waffe sind, nicht überraschend, Abzug, Griffsicherung, Sicherungsflügel, Visier (Front/Rear) und Hammer. Dazu kommen dann noch das Metallmagazin und Gewichte unter den Griffschalen.

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Der Matchabzug hat einen einstellbaren Triggerstop, löst aber extrem leicht aus. Bei allen Testschützen ging der erste Schuß zu früh los, so leicht ist der Abzug eingestellt. Für eine militärische Waffe definitiv zu leicht.

Die Blowback-Unit der MEU wurde gegenüber der 1911A1 noch einmal verbessert und ist noch etwas stärker. Die übrigen Internals sind allerdings identisch.

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Schusstest

Was mir bei den Tests aufgefallen ist, war ein starker Cool-Down bei niedrigen Temperaturen. Das ist zwar normal, wird aber durch die schmalen Magazine noch verstärkt. TM HiCapas sind da etwas unempfindlicher. Mit dem richtigen Gas (Predator Ultra u.ä.) läßt sich das aber abmildern.

Beim Chronen haben wir Werte unter 0,5 Joule gemessen, allerdings mit APS³ und bei 17°C. Im Normalfall, also mit HFC134a und Raumtemperatur, sind es dann eher 0,6 Joule oder mehr. Greengas ist in keinem Fall zu empfehlen. Auch wenn es eine unbestimmte Zeit lang funktioniert, belastet es die aus Plastik bestehende Waffe zu stark. Lediglich Abbey Predator Ultra ist eine Alternative, besonders bei niedrigen Temperaturen.

Bei der Benutzung ist zu beachten, daß ein manuelles Entspannen nicht vorgesehen ist! Durch eine (eigentlich unnötige) Raste am Hammer wird das Ventil trotzdem geöffnet, wenn man den Hammer langsam nach vorne bewegt. Dann besteht akute Gefahr für den Daumen!
Also immer Magazin entnehmen und dann erst den Hammer entspannen.

Die Pistole liegt wirklich sehr natürlich in der Hand und auch die Gewichtsverteilung ist genau richtig. Alle Tester, die die ME in der Hand hatten, lobten ihre wirklich "intuitive" Handlage! Die direkten Treffer auf eine feindliche Bierdose, sprachen ebenfalls eine deutliche Sprache...

Die Handballensicherung ist durch den Vorsprung ebenfalls sehr leicht zu betätigen. Es gab nie irgendwelche Klemmer, die bei den A1-Modellen schon mal auftreten können.

Die Präzision ist, wie bei TM gewohnt, sehr hoch. Ich - und zwei andere Tester - haben nicht nur auf statische Scheiben geschossen, sondern auch auf die oben bereits erwähnte rebellische Bierdose. Diese durch den Raum zu "jagen", war kein Problem, was für die rasche und intuitive Zielaufnahme spricht. An dieser, mittlerweile fast 100 Jahre alten Konstruktion, gibt es halt nicht viel zu verbessern.

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Tuning

Zu den sicherlich interessantesten Tuningteilen gehören Metallkits. Prinzipiell passen sogar die Kits für die TM1911A1, aber wenn man schon eine MEU hat, will man deren Besonderheiten auch beibehalten. Inzwischen bieten die Hersteller aber auch spezielle Kits für die MEU an (https://redwolfairsoft.com/red…ReviewDetail?reviewID=205).

Andere Griffschalen sind sicherlich auch eine Option, wobei man sogar Real-Steel-Griffschalen verwenden könnte. Dann allerdings ohne die Gewichte im Griff.

RS Visierungen passen leider nicht, da unter dem Rearsight die Blowbackunit liegt. Das schließt aber Produkte anderer Hersteller nicht grundsätzlich aus.

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Fazit

Wie kann man diese Waffe nun abschließend beurteilen? Als Sammlerwaffe ist sie irgendwie "dazwischen". Es ist ein sehr detaillierter und realistischer Nachbau einer aktuellen militärischen Waffe. Auf der anderen Seite fehlen Herstellermarkings und das Finish ist nicht besonders.
Als Gebrauchswaffe ist sie dagegen hervorragend! Die Qualität ist, sowohl bei der Verarbeitung, wie auch bei der Schußpräzision, sehr gut. Die Langlebigkeit ist, wie immer bei Tokyo Marui, sehr hoch, wenn man die Waffe ordnungsgemäß behandelt (kein Greengas...). Und auch der Preis geht für eine ordentliche Pistole in Ordnung. Es gibt nur wenige Waffen, die billiger sind und trotzdem das Gleiche bieten. Und keine davon ist eine MEU!

Wer also für seine Ausrüstung eine moderne - oder modernisierte - 1911 sucht, der kann mit der Tokyo Marui MEU absolut nichts falsch machen. Wer sie mehr als Sammlerobjekt kaufen will, sollte sich über die "Nachteile" im Klaren sein. Und darüber, daß es auf dem deutschen Markt eigentlich keine Alternative gibt.

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Geschichte

Die Geschichte des Colt 1911 habe ich ja bereits hier ausführlich behandelt. Daher will ich mich hier nur auf die spezielle Entwicklung der M.E.U.-Variante beziehen.

Mitte der 80er Jahre wurde für die Marine Expeditionary Units (M.E.U.) eine neue Ordonnanzpistole entwickelt, basierend auf der alten 1911. Dazu wurden von vorhandenen (teilweise Jahrzehnte alten) Pistolen alle Teile, bis auf den Rahmen, ersetzt. Dabei kamen zum großen Teil Tuningteile namhafter Hersteller zum Einsatz. Das wären beispielsweise: leichtere Abzüge von Videcki, Visierungen von Novak, ein Lauf von Bar-Sto, Griffschalen von Pachmayr und Magazine von Wilson Combat.

Alle M.E.U.-Pistolen sind trotzdem Einzelstücke, die nach jedem Einsatz geprüft und repariert werden. Einige Stücke haben schon mehr als 500.000 Schüsse überstanden! Mittlerweile werden aber die ursprünglichen Government Pistolen mehr und mehr durch aktuelle Fertigungen (S&W Professional) ersetzt.


Links:
https://en.wikipedia.org/wiki/MEU(SOC)_pistol
https://usmilitary.about.com/l…nfo/marinefacts/blsoc.htm
https://www.militaryphotos.net/forums/showthread.php?t=6441
https://www.m1911.org/mod_vari.htm
https://www.berryhillguns.com/meusoc.html
https://www.sightm1911.com/lib/history/meusoc.htm
https://www.m1911.org/MEUSOCmilmanual.pdf

https://www.arniesairsoft.co.u…ndex.php?showtopic=152430
https://filairsoft.com/forum/showthread.php?p=397564

https://www.tokyo-marui.co.jp/products/02/meu/index.html

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