Review from the past: Tanaka M870 NBB

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--- Airsoft ---
Modell: M870
Hersteller: Tanaka Works
System: Gasdruck, Repetier-System
Kaliber: 6 mmBB
Max-Energie: ca. 1,0 Joule
Material: Metall und ABS Kunststoff
Magazinkapazität: 4+1 Shells
Gewicht: ca. 2600 gr
Gesamtlänge: 875 mm
Preis: ca. 470 Euro

--- Realsteel ---
Modell: Remington 870
Kaliber: 12
Länge: unterschiedlich, je nach Modell
Lauflängen: 355 mm (14 in.), 457 mm (18 in.)
Gewicht: 3-3.5 kg
Magazin: bis zu 7 oder 8 Schuß


Die Testwaffe wurde mir freundlicherweise von der Firma Sniper-Airguns zur Verfügung gestellt.


Einleitung

Endlich gibt es in Deutschland - ganz offiziell - eine Remington 870 mit "Gasantrieb". Als ich vor ein paar Jahren nach einer Schrotflinte suchte, war das Angebot an "klassischen" Flinten eher bescheiden. Bis auf die Marushin Mossberg M500 und die Maruzen M1100 gab es nur gekürzte, klapp- und faltbare *Dinge*, die meist auch nur eine einzige Kugel verschossen. Mit einer Schrotflinte hatte das nichts zu tun...
Dann kam irgendwann die Tanaka Trench Gun und es erschien ein Silberstreif am Horizont. Noch nicht perfekt und etwas klobig, aber schon eine echte Flinte. Und auf einmal kündigte Tanaka eine M870 an! Und die schaffte es nun auch hierher.

Ich hätte mir ja direkt eine bestellt, wenn ich nicht schon längst meine Maruzen 870 gekauft und ausgebaut hätte. Zwei so gleiche Flinten waren mir dann doch zu viel. Aber einmal ansehen wollte ich sie mir trotzdem, und vor allem der direkte Vergleich der Metallteile von G&P und Tanaka interessierte mich. So kam das Angebot für das Review gerade recht. Einen Tag später hatte ich ein riesiges Paket im Flur stehen...

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Lieferumfang

Die Waffe wird in einem sehr schlichten braunen Karton geliefert. Es gibt eine Abbildung der Waffe und eine große Aufschrift "Tanaka Works", "Model 870 Shotgun". Dazu jede Menge Text auf japanisch. Innen drin liegt die Flinte, durch ein paar Styroporstücke gesichert, ein Karton mit zwei Shells und einer Ladehilfe, sowie die japanische Anleitung. Keine Kugeln und kein Werkzeug. Das ist aber auch nicht notwendig, da es kein Hop-Up gibt und das System ohne Schrauben gehalten wird.


Erster Eindruck

Wow, was für ein solider Brocken... Für mich persönlich war es vielleicht kein so großer "Kulturschock", da meine modifizierte Maruzen CA870 ganz ähnliche Metallteile besitzt. Trotzdem ist die Tanaka noch mal eine Stufe edler verarbeitet und wirkt mehr "aus einem Guß". Das Metall wirkt wie phosphatiert und ist mattschwarz mit einem leichten Blaustich. Auf den Bildern ist der Unterschied zur Maruzen ganz gut zu erkennen.

Die Flinte hat zumindest eine notdürftige Visierung, jedenfalls mehr, als ich von der Maruzen gewohnt bin. Auf dem Lauf ist ein goldfarbenes Perlkorn und die Oberseite des Systemkastens ist längs geriffelt. Das erlaubt zwar keine Präzisionsschüsse, aber dafür ist eine Flinte auch nicht gedacht. Für eine schnelle Zielauffassung auf kurze Distanz ist das völlig ausreichend. Selbst ein Reddot wäre meiner Meinung nach unpraktischer.
Die Verarbeitung ist tadellos. Die wenigen Plastikteile - im wesentlichen Hinterschaft und Pumpgriff - haben keine sichtbaren Gußnähte. Das Metall ist sauber und ohne Bearbeitungsspuren. Lediglich der Vorderschaft hat ein leichtes Spiel in Längsrichtung. Da das bei der Maruzen aber auch so ist, vermute ich mal ein systembedingtes Problem, keinen Herstellungsfehler.

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Bei den Markings hat sich Tanaka sehr zurückgehalten. Auf der linken Seite ist "Model 870 Police Magnum" eingraviert, auf der Gummikappe des Hinterschaftes steht dann etwas verschämt die Herstellerbezeichnung "Tanaka Works". Das war's dann schon, mit Markings ab Werk. In Deutschland kommen natürlich noch "F" und Importeursangaben dazu, hier per Lasergravur auf der rechten Seite unter dem Auswurffenster.

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Technische Details

Tanaka verwendet für die Flinte ein anderes System als Marushin oder Tokyo Marui. Im Prinzip sind die Shells nichts anderes als eine verkleinerte 40mm Moscart. Die Waffe selber enthält nur die Mechanik für den Hammer und den Repetiervorgang, also genau wie "The Real Thing". Das Gas wird hinten an der Patrone durch ein Ventil in einen winzigen Tank eingefüllt. Beim Schuß schlägt der Hammer auf einen Ring, der um das Ventil herum liegt. Ein Teil des Tankinhalts wird freigesetzt und treibt die Kugeln aus der Patrone. Durch diese Art der Konstruktion ist auch kein vernünftiges Hop-Up möglich. Allerdings ist dieses Prinzip die größtmögliche Annäherung an eine echte Waffe.
Das beiliegende Ladetool wird benötig, um das Ventil zuzudrücken, wenn sich kein Gas mehr im Tank befindet. Ansonsten strömt das Gas direkt wieder aus.

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Die Sicherung funktioniert wie gewohnt, ein kleiner Knopf blockiert den Abzug. Zusätzlich gibt es noch die vordere Sicherung, die den Pumpgriff feststellt, wenn die Waffe durchgeladen ist.

Zum Zerlegen des Systems muß man nur die beiden Haltebolzen zu den Seiten herausdrücken. Das geht etwas schwer, ich verwende deswegen eine Dartspitze aus Plastik und einen Uhrmacherhammer. Der Hinterschaft läßt sich abschrauben, wenn man die Gummikappe entfernt. Der Schaft selber ist mit einer langen Schraube befestigt, die wiederum in einem abschraubbaren Zusatzgewinde steckt.

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Schußtest

Da nur zwei Shells beilagen, ist ein Schußtest etwas umständlich. Man kann immer nur zwei Schuß abgeben und muß dann erst wieder die Patronen befüllen und nachladen. Eine zusätzliche Packung Shells ist also Minimum. Bei einem Preis von ca. 40 Euro für fünf Stück aber auch kein ganz billiges Vergnügen.
Das Nachladen ist hier wirklich extrem realistisch. Die Patronen werden unten ins System geschoben. Dann mit dem Pumpgriff durchladen und Schuß! Die Pump-Action geht sehr weich und klingt schön metallisch. Noch einmal eine Stufe besser, als bei der ohnehin schon sehr schönen Maruzen. Die Patrone wird ausgeworfen und fliegt bis zu einem Meter weit.

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Allerdings zeigte sich hier auch gleich ein konstruktionsbedingtes Problem der Shells. Die Röhre, in die die BBs eingefüllt werden, ist nach vorne durch einen O-Ring und eine Plastikkappe verschlossen. Die Plastikkappe ist aber nur aufgesteckt. Bei meinen Versuchen lösten sich daher Kappe und O-Ring immer wieder und flogen im Systemkasten herum.
Das Problem ließe sich einfach beheben, indem man die Kappe festklebt. Der Preis dafür wäre, daß sich der O-Ring nicht mehr austauschen läßt, wenn er mal kaputt geht. Und der dürfte von allen Teilen der Shell am empfindlichsten sein. Eine Idee wäre vielleicht, statt Kleber Nagellack zu verwenden. Das dürfte ebenfalls halten, ist aber bei Bedarf noch ablösbar.
In jedem Fall hilft es, den Pumpgriff wieder ganz nach vorne schieben, damit die Kappe am Laufansatz abgestützt wird. Gibt es hier eine Lücke, wirkt der ganze Druck beim Schuß über den O-Ring auf die Frontkappe. Dadurch löst sie sich spätestens nach drei Schüssen ab.

Der Tankinhalt reicht bei mir für etwa zehn Schuß, wobei ich den Tank auch nicht ganz gefüllt habe. Einmal habe ich das probiert und der Hammer konnte das Ventil nicht mehr öffnen! Und das nur mit HFC134a. Ich mußte das Ventil vorsichtig aufschrauben, um den Druck langsam abzulassen. Von daher sollte man die Patronen immer nur sparsam befüllen.

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Die Streuung der Kugeln ist nicht zu unterschätzen. Bei meinen Test auf fünf Meter habe ich es kaum geschafft, die drei Kugeln auf einer Luftgewehrscheibe zu platzieren. Das ist bei einer Schrotflinte allerdings auch ok. Auf ein DIN A4-Blatt geschossen, lag die Streuung bei etwa 15 cm auf fünf Meter Entfernung.
Die realistische Reichweite würde ich mit 10 bis 15 Metern angeben, mehr ist bei der Streuung und ohne Hop-Up nicht sinnvoll.

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Mit einer einzelnen BB pro Shell steigen Zielgenauigkeit und Stärke ganz beträchtlich. Die Streuung liegt da im Bereich einer GBB. Da man zum Zielen nur das relativ grobe Perlkorn zur Verfügung hat, sind exakte Schüsse natürlich kaum möglich.

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Spieltauglichkeit

Die Spieltauglichkeit ist wieder eine Glaubensfrage. Weil die Shells schnell verloren gehen können, lehnen viele Spieler eine solche Waffe ab. Das läßt sich zwar durch einen Shellcatcher beheben, was aber wieder nachteilig für die Handlichkeit ist. Wen das so oder so nicht stört, der bekommt allerdings eine absolut realistische Waffe. Inklusive der 4+1 Schüsse.
Durch das fehlende Hop-Up und die starke Streuung ist die Reichweite natürlich begrenzt und die Waffe nur für CQB, bzw. kurze Entfernungen geeignet. In diesem Bereich ist sie dann aber ideal. Die Stärke ist (mit drei Kugeln pro Shell und HFC 134a) nicht zu hoch, so daß auch keine höhere Verletzungsgefahr besteht. Greengas verbietet sich von selbst, wegen der Probleme mit den Ventilen. Lediglich der Hinterschaft könnte im CQB unpraktisch sein. Ein Pistolengriff oder Klappschaft wäre da besser.

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Tuning

Da bei der Tanaka die Schußenergie alleine von der Patrone bestimmt wird, ist ein Leistungstuning nur an dieser Stelle möglich. Das wirft für Deutschland allerdings wieder rechtliche Fragen auf, die hier nicht abschließend geklärt werden können.
In Asien gibt es aber verbesserte Shells, bei denen das Auslaßventil mit größeren Bohrungen versehen wurde. Auf diese Weise wird das Gas schneller abgelassen und sorgt so für eine stärkere Beschleunigung der Kugeln. Der Gewinn liegt im Bereich von 20 bis 30 fps. Dafür dürfte der Tankinhalt nur noch für einen Schuß reichen.

Die große Frage ist natürlich - passen die ganzen Anbauteile für die Maruzen CA870/M870 ?

Die Antwort lautet... teilweise. Die Schulterstütze hat eine andere Schraube und der Abzugsbügel ist etwas dicker. Ohne Modifikationen geht es also nicht. Den Pistolengriff der CA870 konnte ich nur grob ansetzen, weder das Schraubengewinde, noch die Kehlung für den Abzugsbügel paßten. Das gleiche Problem besteht beim Lauf, da schon der Inner-Barrel wesentlich länger ist. Allerdings könnten jetzt endlich Real-Steel-Teile passen. Ich habe nur keine da, um das zu testen.

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Fazit

Ich bin nicht ohne Grund ein Fan von Tanaka. Die Waffen sind immer sehr detailgetreu, super verarbeitet und haben eine mindestens angemessene Leistung. Man bekommt halt wirklich erstklassige Ware für sein Geld, auch wenn es sich zugegebenermaßen nicht gerade um Schnäppchen handelt. Im Vergleich zu einer mit Metallteilen nachgerüsteten Maruzen M870 relativiert sich der Preis aber ganz schnell. Billiger ist die dann nämlich auch nicht.
Als Fazit bleibt also nur, daß es jetzt endlich eine Schrotflinte mit realistischer Funktionsweise in Deutschland gibt, die ihre Käufer nicht enttäuschen wird.


Geschichte

Die Remington 870 wurde 1950 zunächst als reine Jagdwaffe entwickelt. In den späten 60er Jahren führte das amerikanische US Marine Corp das Gewehr ein, die anderen Waffengattungen folgten im Zuge des Vietnamkrieges Anfang der 70er. Die Remington 870 wurde zur beliebtesten Flinte auf dem amerikanischen Markt . Es gibt unzählige Variationen mit verschiedenen Kaliber, Lauflängen und Schäften. Bekannt ist auch die unter das Sturmgewehr M16, bzw. M4 zu "schnallende" Variante, genannt "Masterkey-System".
Die Remington 870 zählt bis heute zu den bekanntesten und beliebtesten Schrotflinten, sowohl im militärisch / polizeilichen Umfeld, als auch im sportlichen (Repetier-) Flintenschießen.


Links
https://world.guns.ru/shotgun/sh17-e.htm
https://en.wikipedia.org/wiki/Remington_M870_Tactical
https://www.remington.com/products/firearms/shotguns/model%5F870/
https://www.nazarian.no/wep.as…id=2&country_id=50&lang=0
https://www.waffenhq.de/infanterie/remington870.html

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