Review from the past: Bell M700 NBB

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Die meisten denken beim Begriff "China-Klon" ja an billige AEGs. Der eine oder andere denkt vielleicht noch an Vollmetall-Pistolen. Aber die Chinesen sind in allen Bereichen aktiv. Und natürlich auch bei NBB-Gewehren.
So verwundert es nicht, wenn sich die meisten unter einem "Bell M700" zunächst einmal nicht viel vorstellen können. Es handelt sich aber um den Nachbau der Tanaka M700 - zu einem Bruchteil des Preises! Was man hier für sein Geld bekommt, soll dieses Review zeigen.

Die Testwaffe wurde mir freundlicherweise von der Firma Sniper-Airguns zur Verfügung gestellt.

Zunächst einmal die harten Fakten:
Modell: M700
Hersteller: Bell
System: Einzelschuß-Repetierer, Gasdruck System
Kaliber: 6 mm BB
Max-Energie: ca. 3,3 Joule
Material: Kunststoff und Metall
Magazinkapazität: 11 Schuss
Gewicht: ca. 3000 g
Gesamtlänge: ca. 1170 mm
Preis: 180,- Euro

Unter allen Angaben sticht natürlich die Stärke enorm hervor. Ich werde weiter unten darauf eingehen.

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Lieferumfang

Zunächst einmal gehe ich auf den Lieferumfang ein. Die Waffe wird, in zwei Teile zerlegt, in einem schlichten braunen Karton ohne Beschriftung geliefert. Grundsätzlich eignet sich die Box auch zum Transport, da die Waffe nur von drei Schrauben gehalten wird. Innerhalb von einer Minute hat man sie wieder montiert. Das ist zwar kein klassisches "Take-Down", aber immer noch schnell und unkompliziert genug. Man benötigt lediglich einen Schraubenzieher für die beiden Schrauben am Abzugsbügel, die vordere Schraube kann mit der Hand festgedreht werden.

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Zusätzlich zur Waffe findet man noch eine einfache Visierung in der Verpackung. Dabei handelt es sich im eine verstellbare Lochkimme und ein Korn mit Korntunnel. Während sich letzterer einfach auf die Schiene aufsetzen läßt, muß man für die Montage der Kimme eine Schraube an der Zielfernrohrmontage entfernen. Ansonsten läßt sich natürlich auch jedes Zielfernrohr mit Weavermontage anbringen.

Die weiteren Beigaben sind ein einfaches Loadingtool und eine stärkere Schlagfeder. Um diese zu montieren, muß man aber den kompletten Verschluß zerlegen. Mehr dazu beim Schußtest.

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Das mitgelieferte Handbuch enthält zumindest kurze Anweisungen auf "Engrish", die durch die vielen Bilder aber verständlich sind. Leider sind die wichtigen Kapitel (Hop-Up-Einstellung) weit gestreut. Oder sie fehlen ganz (Zusammenbau der Waffe, Einbau der Schlagfeder). Aus den Schaubildern lassen sich aber die notwendigen Informationen entnehmen.

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Erster Eindruck

Das System der Waffe selber ist aus lackiertem Metall gefertigt. Leider ist es, wie bei allen China-Guns, sehr kratzempfindlich. Schon nach wenigen Schüssen zeigen sich deutliche Abnutzungsspuren am Verschluß. Oder, um es einmal positiv zu formulieren - man bekommt den "Used-Look" kostenlos mitgeliefert...

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Der Schaft ist aus solidem ABS gefertigt und massiv ohne nutzlose Hohlräume. Anders als beim CYMA M14 habe ich hier überhaupt keine Sorgen, daß etwas brechen könnte. Das ist auch gut so, denn zumindest bei der Testwaffe sind die Impoteursmarkings in den Schaft gelasert, ein Austausch also nicht ohne Probleme möglich.

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Apropos "Markings" - da gibt es dann gleich noch einen dicken Hund. Die Chinesen haben mal wieder echte Markings kopiert, ohne die Lizenzrechte zu besitzen. Da sich die Importeure aber danach richten müssen, ist der "Remington"-Schriftzug weggelasert worden. Leider ziemlich unschön, da er auch noch relativ großflächig ist.

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Durch den kratzempfindlichen Lack wird auch aber auch das entweder sehr bald nicht mehr auffallen, oder der Besitzer wird die Waffe ohnehin neu lackieren. Dann stört auch diese Stelle nicht mehr.

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Ungewöhnlich ist an dieser Waffe (wie auch bei der Tanaka) die Hop-Up-Verstellung. Dies geht über eine große Schraube oben auf der ZF-Montage. Dies ist einerseits praktisch, da man ohne Werkzeug und geklemmte Finger auskommt. Auf der anderen Seite bewegt sich das Rädchen viel zu leicht und kann sich beim Transport auch mal verstellen. Hier sollten die Besitzer zumindest Markierungen für die gängigen Kugelgewichte anbringen.

Technik

Nun wird es Zeit für ein paar Schüsse. Dazu muß ich sagen, daß ich meist nur mit der Standardfeder getestet habe, die für meine Zwecke aber auch völlig ausreichend war. So haben wir bei einer Temperatur von 17°C mit Greengas eine Stärke von ca. 1,5 Joule gemessen. Aber das war der Auslieferungszustand, ohne Veränderungen am System.

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Bell hat ebenfalls das "Power Control System - PCS" von Tanaka kopiert. Dabei handelt es sich um ein einstellbares Ventil, das die Gaszufuhr regelt. Dieses befindet sich im Verschluß, der für die Einstellung zunächst ausgebaut werden muß. Das Rädchen ist in der Mitte des Verschlusses leicht zu finden, aber man muß zunächst mit dem beigelegten Inbusschlüssel eine kleine Madenschraube lösen, bevor sich das Ventil bewegen läßt. Dreht man dann die Schraube zurück, öffnet sich das Ventil und der Gasdruck erhöht sich.

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Das Magazin wird von oben mit Gas und Kugeln befüllt. Um es einsetzen zu können, muß man den Verschluß zurückziehen und das Magazin einsetzen. Außerdem muß nun der kleine Hebel vorne am Abzugsbügel eingedrückt werden, bis er mit einem leisen Klick einrastet. Ansonsten fällt das Magazin direkt wieder heraus. Schiebt man nun den Verschluß nach vorne, ist die Waffe durchgeladen und schußbereit!

Grundsätzlich reicht es aus, den Verschluß nur etwa zwei Zentimeter zu bewegen. Dadurch wird das Schlagstück gespannt und eine BB geladen. Für den höheren Realismus kann man ihn aber auch ganz zurückziehen.

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Die Sicherung befindet sich rechts hinter dem Verschluß und fühlt sich etwas schwammig an. Sie entkoppelt aber den Abzug sicher vom Mechanismus und erfüllt damit ihre Aufgabe.

Das Schußgeräusch ist aber das leiseste, das ich je bei einer Airsoft gehört habe - inklusive Springs! Das Plöpp des Schusses ist meist leider als der Knall, wenn die Kugel das Ziel trifft. Selbst das Durchladegeräusch ist lauter!
Dabei hat die Waffe keinen integralen Schalldämpfer. Aber es gibt nur wenige bewegliche Teile und das Schlagstück bewegt sich auch nur etwa 5 Millimeter. Da ist nichts, was wirklich Lärm machen könnte.

Der Verschluß bewegt sich etwas hakelig und sollte vor der Benutzung mit etwas Silikon behandelt werden. Aber dies ist auch keine Waffe für schnelle Schußfolgen. Und auch die Magazinkapazität ist mit 11 Schuß nicht überdimensioniert.

Sogar der einstellbare Abzug ist vorhanden, wobei ich damit keine Versuche angestellt habe. Die Werkseinstellung ist leicht genug.

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Schusstest

Auf sieben Meter Entfernung und mit 0,2er BBs hatte ich Streukreise von ungefähr fünf Zentimetern (stehend aufgestützt). Das ist nicht überragend und wird auch von manchen AEGs noch übertroffen, ist aber durchaus spieltauglich.
Auf zwanzig Meter (liegend aufgelegt) lag der Streukreis bei etwa 20 Zentimetern. Eine Luftgewehrscheibe wurde nur von der Hälfte der Schüsse getroffen. Hier muß man fairerweise sagen, daß schwerere Kugeln ein besseres Ergebnis bringen würden. Aber auch so wäre die Trefferleistung für ein Snipergewehr noch gerade gut genug. Mehr als 30 Meter sind aber mit der schwachen Feder nicht sinnvoll.

Mit der stärkeren Feder sind dann auch höhere Reichweiten möglich, wobei zumindest Spieler noch abklären müssen, welche Limits jeweils gelten. Diese Waffe sollte auf keinen Fall unter 10 Metern eingesetzt werden, egal welche Feder montiert ist.

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Beim Dosentest zeigte sich ebenfalls, wie stark die Waffe schon in der Grundversion ist. Aus einem Meter Entfernung ging die Kugel locker durch beide Seiten eine Bierdose. Selbst der Boden war kein wirkliches Hindernis und zeigt deutliche Spuren der Wucht des Aufpralls. Erst der Deckel konnte die Kugel aufhalten und erhielt lediglich eine tiefe Delle.

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Tuning

Jetzt ist es Zeit, die stärkere Feder zu verbauen. Das Handbuch schweigt sich darüber aus, daher beschreibe ich es mal in aller Kürze. In der Mitte des Verschlusses sind zwei kleine Schrauben, die man herausdrehen muß. Dann läßt sich der Verschluß in zwei Teile zerlegen. Nun sieht man schon das Schlagstück, mit einem weiteren Schraubenkopf auf der Stirnseite. Das komplette Schlagstück kann nun samt Feder herausgedreht werden. Wenn man die Feder nach "unten" abzieht, fällt die vordere Halterung der Feder in zwei Hälften auseinander. Nun kann man die neue Feder einsetzen und alles in umgekehrter Reihenfolge zusammenbauen.

Wie man sehen kann, ist die stärkere Feder rechts deutlich länger. Man merkt es auch beim Einbau, daß da mehr Druck dahinter sitzt.

Insgesamt hat der Umbau vielleicht 15 Minuten gedauert. Und die meisten Käufer werden diesen Umbau auch nur ein einziges Mal ausführen.

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So aufgerüstet, reicht die Stärke aus, um auch den Dosendeckel zu durchschlagen! Und auch ein diagonaler Schuß durch Boden und Seitenwand geht problemlos durch. Die maximale Stärkenangabe ist also keinesfalls übertrieben. Dafür nimmt dann auch der Gasverbrauch rasant zu, eine volle Ladung reicht vielleicht für 10 Schuß. Mit der ursprünglichen Feder waren es dagegen um die 20.

Was die Kompatibilität zu Tanaka angeht, scheinen die wesentlichen Teile zu passen. Ein anderer Barrel oder ein besseres Hop-Up sind also durchaus möglich. Dadurch dürfte sich auch die Präzision noch einmal deutlich verbessern.

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Fazit

Wie sieht nun meine Einschätzung der Waffe aus? Zunächst einmal ist das keine Sammlerwaffe. Das war zu erwarten, schließlich produzieren die Chinesen selten Waffen für Sammler. Es ist ganz klar eine Gebrauchswaffe. Alle Funktionen, die das Vorbild hat, bietet die Bell ebenfalls. Vom PCS bis zum einstellbaren Abzug und dem gut erreichbaren Hop-Up wurde alles kopiert.

Durch den empfindlichen Lack ist die M700 kein "Wallhanger". Man sollte sich darüber im Klaren sein, daß diese Waffe bei Benutzung äußerlich "leiden" wird. Mehr als viele andere Waffen. Dies sind aber nur Äußerlichkeiten, die keinen Einfluß auf die Leistung haben.

Und die Leistung ist es, die bei einem Snipergewehr zählt. Hier zeigt sich zwar keine überragende, aber doch eine solide Leistung. Ob sie sich mit dem großen Vorbild Tanaka messen kann, ist wohl keine Frage. Aber für eine Airsoft ist die Leistung durchaus hinreichend. Wer nicht 400 bis 500 Euro für eine Tanaka ausgeben kann oder will, ist auch mit einer Bell M700 zum halben Preis gut beraten.

Als Basis für einen M40-Umbau oder einfach als günstiges Snipergewehr, ist das Bell M700 durchaus zu empfehlen.

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Geschichte

Das ursprünglich rein zivile Remington 700 wurde Anfangs der 60er Jahre entwickelt. Als das USMC während des Vietnamkrieges ein Snipergewehr suchte, wurden Targetversionen des M700 (Remington 40x) eigekauft und mit Custom-Teilen modifiziert. Diese Waffe ist als USMC M40 eingeführt worden. Da der originale Schaft aus Holz im feuchtheißen Klima Asiens aufquoll und sich verformte, wurden bald Schäfte aus Fiberglas eingesetzt und die Waffe nun als M40A1 bezeichnet. Die US Army beschaffte ebenfalls das Remington 700 als Scharfschützenwaffe, allerdings mit einem größeren System, um auch Magnumpatronen verfeuern zu können. Diese Waffe wird offiziell als M24 geführt.

Heute ist das Remington 700 eines der am weitesten verbreiteten Repetiergewehre auf der Welt und wird von Jägern, aber auch vielen Polizeieinheiten geführt.

Links
https://www.arniesairsoft.co.u…ndex.php?showtopic=151687

RS:
https://www.remington.com/prod…terfire_rifles/model_700/
https://en.wikipedia.org/wiki/Remington_700
https://world.guns.ru/sniper/sn10-e.htm

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