The Road To Schofield - Der ASG Schofield 6" Vintage

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Die Sonne brennt vom Himmel herab, es müssen mindestens 40° sein. Das Hitzeflimmern läßt die Berge am Horizont verschwimmen und selbst die sonst so zahlreichen Fliegen haben sich in dunklen Ritzen verkrochen. "Sun City" haben sie diese Stadt genannt, die nur aus einem halben Dutzend Bretterverschlägen besteht. Wäre hier nicht die einzige Quelle im Umkreis von 50 Meilen, niemand würde hier siedeln wollen. Jetzt ist hier ein kleiner Bahnhof auf der Zugstrecke nach El Paso gebaut worden, der die Loks mit Frischwasser versorgt. Die einzige Abwechslung in dieser Einöde.

Langsam öffnet "Average" Joe Johnson seinen Tob-Break-Revolver und schleudert die verschossenen Hülsen in alle Richtungen. Er könnte sie aufsammeln und dem alten Sam verkaufen, der sie einschmilzt und Messigbarren daraus macht. Aber nicht heute. Heute ist der Tag der Abrechnung. Langsam lädt er die letzte sechs Patronen nach, eine nach der anderen...


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Wer heute an einen Western-Revolver denkt, hat meist ein Bild des Colt Single Action Army vor Augen. Kein Wunder bei 350.000 produzierten Stücken bis 1941. Auch in Hollywood-Produktionen war dieser Revolver sicherlich etwas überrepräsentiert, denn es gab sie doch, die "anderen"! So begründet sich auch die Geschichte von Smith&Wesson auf der Herstellung von Revolvern mit Metallpatronen. Einer davon war das "Model 3 Schofield".


Technische Daten:

Antriebsart: CO2

Magazin: 6 Patronen

Energie: 3,5J

Material: Metall/Kunststoff

Gewicht: 1010g

Länge: 245mm



Der von WinGun (auch unter dem Label "Gun Heaven") produzierte Revolver wird von ASG in einer "gebrandeten" Version vertrieben. Neben einer eigenständigen Box und einer selbst produzierten Anleitung bekommt man noch 6 Ladehülsen ("Patronen") und die Waffe selbst. Zubehör gibt es sonst keins.


Den Revolver gibt es in verschiedenen Ausführungen, normal lackiert, verchromt und "gealtert". Letztere Version teste ich hier. Der "Aged"-Look ist ganz gut gelungen, es sind wirklich nur die Teile abgerieben, die auch bei einer echten Gebrauchswaffe am stärksten betroffen wären. So z.B. die Laufmündung oder die Visierung. Es wurde nicht einfach mit einer Drahtbürste die Oberfläche verkratzt, wie das bei anderen Waffen schon mal vorkommt. Und der Effekt ist auch eher zurückhaltend, es ist noch genügend "Brünierung" übrig.


Weniger zurückhaltend ist die Lackierung. Der weiß lackierte "Schofield"-Schriftzug ist überhaupt nicht zeitgemäß, echte Waffen hatten nur wenige, geprägte Schriftzüge, verzierte Sondermodelle waren graviert und mit Goldeinlagen versehen. Gar keine Beschriftung wäre hier deutlich besser gewesen, aber wenn das Marketing die Vorgaben macht, kommt so etwas heraus.

Und auf der rechten Seite sind dann die Pferde mit dem Lackierer durchgegangen... Realistisch ist da nichts mehr. Fette, weiße, moderne Beschriftungen. Was soll das auf einer Westernwaffe?!?

Dagegen sind die Markings von Sniper vorbildlich auf der Unterseite angebracht. Leider vergebens, angesichts der Rundumbemalung.


Obwohl es sich ja um einen Revolver von Smith&Wesson handelt, ist deren Schriftzug oder Logo nirgends zu finden. Wenig verwunderlich, ist deren Lizenz doch in den Händen von Cybergun. Nur der Name "Schofield" halt nicht.


Die Plastikgriffschalen haben eine sehr schöne Holzstruktur, die sogar echt wirken könnte, wären da nicht wieder die eingeprägten ASG-Logos. Die Oberfläche ist auch sehr glatt und bietet nicht so viel Halt wie echtes Holz. Die Griffschale auf der linken Seite läßt sich abnehmen und dazu auch eine kleine Kerbe, um sie besser aufhebeln zu können. In die Griffschale ist auch gleich ein Inbus für den Kapselwechsel integriert. Mir persönlich ist diese Konstruktion auf Dauer zu wackelig, als schnelle Alternative aber durchaus brauchbar.


Und dann fällt der Blick auf die Schiebesicherung hinter dem Hahn. Neben der modernen Form, sind die Positionen auch noch mit farbigen Punkten markiert. Nun mag eine manuelle Sicherung in einigen Märkten notwendig sein, aber musste man die a) in moderner Ausführung und b) mitten im Blickfeld anbringen?!? Noch dazu ist sie überflüssig, mehr dazu unten.


Die Waffe besteht praktisch nur aus Zinkdruckguss und Plastik. An Stahlteilen lassen sich nur Federn und Schrauben finden. Massiv ist sie trotzdem und es knarzt auch nicht, wenn man fester zupackt.


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Ein Schofield ist größer als ein Colt SAA


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Zum Schußtest. Vorher UNBEDINGT den Lauf reinigen! Der Unterschied ist gewaltig! Und der Schmutz in meinem Testexemplar läßt vermuten, daß es wirklich um 1875 herum gebaut und nie wieder gereinigt wurde...


Zielschießen wird mit diesem Revolver schwierig. Wegen des hohen Gewichts ist es anstrengend genug, den Revolver lange genug auf das Ziel auszurichten. Die - zeittypisch - sehr kleine Visierung macht es dann nicht leichter. Hinzu kommt noch das fehlende Hop-Up, was Schüsse über mehr als 10 Meter zum Artillerie-Glücksspiel verkommen läßt. Dabei ist der Griff sogar sehr steil, was typisch für eine Reiterwaffe ist. Es erleichtert den Schuß von "schräg oben nach schräg unten". Für Zielscheiben auf Augenhöhe ist das weniger optimal.


Beim Schuß zeigt sich dann auch, daß der Revolver keinen echten Druckpunkt hat. Das wäre jetzt für eine Scheibenwaffe gar nicht einmal schlecht, Duelle sollte man damit aber nicht schießen...

Die Lautstärke ist, wie bei einer NBB nicht anders zu erwarten, eher gering. Lauter als Revolver mit Greengas ist er aber schon, was sich ja dann auch an der Stärke zeigt, doch dazu gleich.


Die Sicherung auf dem Griffrücken wirkt auf den Hahn und funktioniert nur bei entspannter Waffe. Damit ist der Sinn dieser Sicherung beim besten Willen nicht mehr erkennbar. Welche zusätzliche (!) Sicherheit soll das bringen? Ist die Waffe ungespannt, kann auch nichts passieren, eine Sicherung mehr bewirkt nichts. Ist sie gespannt, funktioniert die Sicherung nicht mehr. Damit kann man sie auch getrost weglassen.


Die Chrony-Messungen mit 0,25er BBs ergeben Werte von

141,4 m/s

139,6 m/s

139,2 m/s

139,1 m/s

141,2 m/s

Das wären dann ca. 2,45 Joule. Nicht ganz die angegebenen 3,5 Joule. Aber bei so einer Waffe macht dann auch ein Test mit schwereren BBs Sinn. Gesagt getan, mit 0,40er BBs kommt die Waffe dann auf durchschnittlich 2,75 Joule. Die Genauigkeit dürfte sich sogar noch etwas verbessern, spieltauglich ist sie damit aber überhaupt nicht mehr. Auf der anderen Seite habe ich noch nie einen Spieler mit einem Revolver gesehen.


Natürlich schießt der Revolver nur Single-Action-Only. Double-Action, oder gar "Semi-Automatisch", wie es ein offenbar sachkundefreier Händler vermeldet, gibt es bei so einer Waffe natürlich nicht.


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Links ohne Laufreinigung, rechts mit...


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Was gibt es an diesem Revolver zu verbessern? Ein wirklich schönes Projekt wäre die Anpassung echter Holzgriffschalen. Die Plastikschalen haben sehr viel "Luft" und die CO2-Kartusche ragt nur wenige Millimeter rein. Es wäre also durchaus machbar.


Auch die Sicherung könnte ausgebaut oder abgeschliffen werden, zumindest müssen die farbigen Markierungspunkte weg. Wir haben eine sehr gute und ausführliche Anleitung von Rasgas dazu: GunHeaven S&W Schofield - Sicherungsmod


Zu einem Western-Revolver gehört natürlich auch ein passendes Holster. Die zahlreich verfügbaren Holster für den Colt SAA passen nicht, da der Schofield doch deutlich größer ist.


Auf jeden Fall ist der Schofield eine gute Basis für Bastler, da sich die wenigen Änderungen, um daraus einen wirklichen Western-Revolver zu machen, im Rahmen halten. Umso ärgerlicher ist es, daß das überhaupt nötig ist.



Fazit

Die Zielgruppe dieses Revolvers bleibt für mich etwas unklar. Für eine Sammlerwaffe sind da zu viele (meist unnötige) Abweichungen vom Original. Eben typisch chinesische Replika - 80% exakte Kopie, 20% "auf einhundert Meter Entfernung sieht es fast echt aus"... Für Spieler taugt der Revolver alleine wegen der Stärke nichts, die sechs Schuss bei einer insgesamt sehr großen und schweren Waffe sind da keine Pluspunkte.


Bleiben noch Enthusiasten und Zimmerschützen. Wer mit einer Westernwaffe einfach mal Plinken und Dosen abschießen will, macht mit dieser Waffe absolut nichts falsch! Etwas "Western-Feeling" kommt da schon auf!



Geschichte

Der Smith&Wesson Model 3, eingeführt um 1870, war der erste Serien-Revolver mit Metallpatronen (Kaliber .44 S&W American) in der US Army. Er war vor allem für die Kavallerie konzipiert und sollte notfalls auch mit einer Hand zu laden sein. Die andere Hand hielt ja die Zügel.

Zum Entladen wurde einfach mit einer Hand die Verriegelung der Rahmenbrücke geöffnet und der Lauf abgeschwenkt. Das konnte auch im Reiten gemacht werden, indem man den Lauf gegen das Bein drückte. Dabei wird ein Auswerferstern hochgedrückt, der die Patronen auswirft. Am Ende der Schwenkbewegung federt der Auswerfer von alleine wieder zurück und die Waffe ist bereit zum beladen. Kein Vergleich zu einem Colt S.A.A., bei dem jede Patronenkammer einzeln geleert und beladen werden muss.

Ab 1875 wurden dann alle Revolver mit den von Major George W. Schofield vorgeschlagenen Verbesserungen ausgestattet, daher der Name.

Eine Sache, die nicht umgesetzt wurde, war die Verwendung der Patronen in .45 Colt. Stattdessen entwickelte S&W eine eigene, kürzere ".45 Schofield". Dies führte aber zu logistischen Problemen, denn während der Colt S.A.A. beide Patronen "schluckt", funktioniert der Schofield nur mit seiner eigenen Munition. Und die war in der Prärie nicht immer verfügbar. So wurden die Schofields ab 1880 schon wieder ausgemustert und auf dem Zivilmarkt verkauft. Große Mengen gingen dabei an die Wells Fargo Express Company für ihre Agenten.


Berühmte Nutzer des Schofield waren Outlaws und Westernhelden wie Jesse James, Pat Garrett, Theodore Roosevelt, Virgil Earp oder Billy the Kid.


Tragischer Weise erschoß sich George Schofield 1882 mit einem S&W Schofield in Folge einer Depression.


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Links


https://en.wikipedia.org/wiki/…odel_3#Schofield_Revolver

https://de.wikipedia.org/wiki/…sson_No_3#Schofield_Model




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