Stahlwerk - Die Dominator DM870 Sawed-Off Shell Shotgun

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Einleitung


Wie ich bereits vor zwei Jahren in meinem Review zur PPS M870 geschrieben hatte, ist viel Bewegung in den Markt für Gas-Shotguns mit Hülsen gekommen. Während es früher nur Tanaka (nicht spieltauglich) und Marui (nicht realistisch) gab, drängen nun immer mehr Hersteller mit Stahlteilen, starken gasgefüllten Shells und meist sogar Holzteilen auf den Markt.


Dominator, wie einige andere zuvor, ist praktisch aus dem Stand mit seiner ganzen Serie an Schrotflinten gestartet. Dabei gibt's im Sortiment sowohl "klassische" als auch moderne Flinten.


Nun endlich ist auch die "Sawed Off" erhältlich, die die Vorteile der Shotgun - die Streuung der Geschosse - durch ihre kompakte Form auch im CQB nutzbar macht.

Äußerlich hat sie Ähnlichkeiten mit der "Witness Protection"-Version von Remington, ist aber wirklich als abgesägt erkennbar. Sie hat einen schmaleren Handgriff, der nur scheinbar aus einer Schulterstütze herausgesägt wurde und keinerlei Visierung.



Details


Energie: 1,2 Joule

Material: Stahl / Holz / Aluminium

Magazinkapazität: 3+1 Shells

Länge: 720mm

Lauflänge: 315mm

Gewicht: 2380g


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Lieferumfang


Die kleine Waffe kommt doch in einem ziemlich großen Karton daher. Der Grund ist klar, Dominator verwendet den gleichen Karton für alle Schrotflinten. Die Folge ist allerdings auch, daß die "Sawed Off" trotz ihrer geringen Größe ebenfalls zerlegt in der Styroporpackung ligt. Anders paßt es einfach nicht. Und es bleibt noch jede Menge Platz übrig.

Nicht ganz so gut gelöst finde ich die Fixierung des Bolts mittels eines Stückchen Schaumstoffs im Gehäuse. Dieses kann sich beim Transport lockern, wodurch der Bolt im Karton herumfliegen und Schaden anrichten kann. Durch die Überprüfung der Waffen vor dem Versand kann das aber weitgehend ausgeschlossen werden. Noch besser wäre es den Bolt entweder über ein Band oder ähnliches besser zu fixieren - oder ihn direkt ausgebaut zu verpacken, was aber einen aufwändigeren Zusammenbau bedeuten würde.


Der Zusammenbau wird ohne Bilder, aber mit ein paar Textzeilen auf Englisch beschrieben. Ganz wichtig an dieser Stelle ist, die Waffe nicht im zerlegten Zustand "trocken" abzufeuern. Denn dann wird sich das Schlagstück verhaken und man muß erst mit ein paar Tricks die Waffe wieder flott machen. Zum Glück gibt es dazu ein Video.



Apropos "trocken": mein Verdacht ist, daß Dominator-Waffen zusammen mit Thunfischdosen verschickt werden. Beide verwenden jedenfalls die gleiche Sorte Öl. Die Waffe ist zwar perfekt vor salziger Seeluft geschützt und ich konnte keinerlei Rostspuren entdecken, dafür muß man neue Waffe aber auch erst mal gründlich putzen. Dieses Öl hilft auch wenig bei der Schmierung, eine Behandlung mit Silikonöl ist weiterhin notwendig. Keine große Sache, nur Einsteiger könnten sich da leicht täuschen lassen und die Schutzschicht für eine vollwertige Schmierung halten.


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Erster Eindruck


Eines muß man bei dieser Waffe direkt einmal offen sagen: den "Used-Look" gibt's hier ab Werk! Ich finde das bei dieser Waffe gar nicht verkehrt, immerhin ist es ja eine "Sawed-Off", die im Original ja auch nicht mehr "fabrikneu" ist. Bei den großen Shotguns von Dominator ist es dagegen schon ärgerlich, wenn die Beschichtung so dünn ist, dass sie schon beim Auspacken durchscheinend ist und sich bei der Benutzung weiter abreibt.


Aber bei einer Stahlwaffe ist das kein echtes Problem, man kann sie jederzeit nachbrünieren, lackieren oder einfach angeranzt aussehen lassen! Auf die Funktion und die Haltbarkeit der Waffe hat das keinen Einfluß. Denn bis auf den Abzugsbügel bestehen alle Metallteile aus Stahl und sind dementsprechend auch stabil. Der Rest sind Echtholzteile, die jetzt auch nicht gerade aus hochwertigem Tropenholz bestehen, aber ihre Funktion erfüllen.


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Wie gesagt, es ist eine typische Gangsterwaffe, kein Vitrinenstück. Und sieht man sich so manche echte M870 an, sehen die auch nicht wirklich besser aus. Es sind halt Gebrauchswaffen.


Markings gibt es auch, allerding keine Logos von Remington oder anderen Waffenherstellern. Dafür Warnhinweise, eine merkwürdige Kaliberangabe und eine individuelle Seriennummer.


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Technik


Die Shotguns von Dominator sind ja eigentlich für den Betrieb mit Co2 ausgelegt und werden nur wegen der stärkeren Verbreitung von Greengas auch mit passenden Shells ausgeliefert. So richtig "loslegen" können sie aber erst mit CO2. Dafür ist die Mechanik aber entsprechend stabil ausgelegt und hat mit Gas-Shells auch keine Probleme. Etwas einlaufen muß sich die Mechanik aber schon, denn anfangs läuft sie etwas hakelig, was sich nach den ersten 20 Mal repetieren aber gibt. Wobei natürlich auch die gründliche Schmierung wichtig ist, sonst schleift es.


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Ein Hop-Up gibt es auch bei dieser Shotgun nicht, was durchaus sinnvoll ist. Neben der Unmöglichkeit, ein solches für eine ganze Ladung von gleichzeitig abgefeuerten BBs vernünftig einzustellen, geht es bei diesem Waffentyp ja auch um eine breite Streuung, nicht um exakt platzierte einzelne BBs. Das dürfte dann auch die Erklärung für den gezackten Rand des Inner-Barrels sein, der leichte Luftverwirbelungen verursachen könnte.


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Die Shells von Dominator entsprechen im grundsätzlichen Aufbau noch immer dem System von Tanaka, mit einem Gastank und einem durchlaufenden Stößel, der vom Schlagstück nach vorne gedrückt wird und so das Auslaßventil öffnet. Im Gegensatz zu anderen Produkten sind hier aber doppelte O-Ringe zur Abdichtung verbaut, was sich durchaus positiv auswirkt. Auch über längere Zeit geht kein Druck verloren. Nicht ganz so gut gelungen sind dagegen die O-Ringe in der Plastikhülle, die die BBs zurückhalten sollen. Diese sind sehr hart und einen Millimeterbruchteil zu klein. Bei mir flogen beide relativ schnell weg und mussten ersetzt werden. Die Ersatzringe aus meinem Fundus hielten dagegen problemlos. Aber Ersatzringe braucht man bei diese Waffe ohnehin, siehe weiter unten.


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Schußtest


Getestet wurde die DM870 mit reinem Propangas und 0,25er JBU BBs. Mit einer BB pro Shell wurden die folgenden Werte gemessen:

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Das kann man nicht direkt mit vier multiplizieren, um den Wert für eine volle Shell zu ermitteln. Aber ich würde von 3 bis 3,5 Joule bei voller Ladung ausgehen, die sich dann aber auch auf eine breitere Fläche verteilen. Wie das Schußbild zeigt, sind die BBs auf 7 Meter Entfernung aber erst ~3cm gestreut, also immer noch genau genug für gezielte Treffer. Ab 10 Metern fällt die Flugbahn aber schon stark ab und macht genaue Schüsse schwierig.


Das Abzugsgewicht ist mit etwa 2 Kilo nicht zu hoch und typisch für Schrotflinten. Man will die wenigen Schüsse ja nicht durch einen unruhigen Abzugsfinger verschwenden... Das Schußgeräusch paßt dagegen so gar nicht, es ist halt auch hier nur ein Ploppen. Der Einschlag der BBs im Ziel klingt dagegen härter.


Der verdickte Pistolengriff verleitet dazu, die Waffe auch wie eine Pistole zu halten. Aber das geht nicht lange gut, dafür ist dann doch zu viel Gewicht vor der Hand. Schüsse aus der Hüfte funktionieren dann doch besser, wenn auch nicht zielgenau.


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Tuning


Für diese Waffe sollte man sich unbedingt einen Vorrat an O-Ringen des Typs 6,5x1mm NBR70 besorgen! Ich hatte noch passende von meinen Goblin-Shells übrig, die wunderbar funktionierten. Aber das sind Verschleißteile, die ab und zu gewechselt werden müssen.


Ebenfalls zu empfehlen sind die CO2-Shells, mit denen die Waffe erst so richtig gut funktioniert. Shells anderer Systeme, insbesondere den Tanaka-kompatiblen, funktionieren nicht.


Wer es sich selber zutraut oder genug Geld für die Dienstleistung hat, sollte über eine bessere Brünierung nachdenken. Eine Beschichtung mit Cerakote passt hier optisch nicht so richtig, es sei denn, man baut auch gleich die Holzteile um. Wie man RS-Teile für Dominator anpassen muss, steht in diesem Beitrag.


Eine Generalüberholung ist hier beschrieben.


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Fazit


"Klein und schmutzig" ist ja nicht immer negativ besetzt... Hier trifft es wirklich mal zu! Mit Dominator gibt es einen neuen Herausforderer am NBB-Shotgun-Markt, der sich nicht verstecken muß! Mit den Stahlteilen hat man fast alles richtig gemacht, nur bei der Oberflächenbehandlung gibt es noch Optimierungsbedarf. Das mag Käufer angesichts des Preises stören, ist aber schon mit minimalem Aufwand zu beheben. Im Gegensatz zu technischen Schwachpunkten anderer Systeme, die zum Beispiel eine Energie über 7,5 Joule zulassen und so in Deutschland eigentlich gar nicht verkauft werden dürften.


Wer einen echten Gegenwert für sein Geld sucht und mit den prinzipbedingten Schwächen einer Schrotflinte mit Hülsenauswurf (häufiges Bücken...) leben kann, macht mit der Dominator jedenfalls nicht falsch.


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