Size (sometimes) does matter! Die WE/Cybergun Desert Eagle .50 AE

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Einleitung


Die IMI/Magnum Research Desert Eagle gehört sicherlich zu den ikonischsten modernen Waffen. So sehr, daß kaum ein Actionfilm ohne diese Waffe auskommt. Die Liste der Filme und Serien auf IMFDB ist endlos und vermutlich trotzdem nicht annähernd komplett... Wer die Waffe als Airsoft haben wollte, hatte bisher nur zwei Optionen: eine Tokyo Marui, die zwar originalgetreu aussieht, aber als Vollplastikwaffe lächerlich leicht ist und überhaupt nichts von der Wucht des Vorbilds mitbringt. Oder eine Variante von KWC, die zwar aus Metall besteht, aber alles andere als reibungslos funktioniert und deswegen CO2 zum Antrieb braucht. Und diese hatte keine Markings.


Aber viele Jahre des Bitten und Bettels haben gewirkt, WE hat sich endlich daran gemacht, die klaffende Marktlücke zu schließen! Und als wäre das noch nicht genug, konnte man sich sogar mit Cybergun einigen und das Projekt als Kooperation aufziehen. Heraus kam die beste Desert Eagle, die der Airsoft-Markt abseits von hunderte Euro teuren Custom-Modellen zu bieten hat!


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Lieferumfang


Beim Lieferumfang ist alles wie gewohnt. In einem gar nicht einmal großen Pappkarton mit schematischer Darstellung der Pistole und viel Text finden sich Waffe, Magazin, Speedloader und Anleitung. Was mir persönlich 8etwas später) fehlte, war ein Inbus zur Einstellung des Hop-Ups. Gut, ich selbst habe schon lange eine ganze Auswahl, aber es wäre ein praktischer Zug von Cybergun gewesen, diese nicht ganz unwichtige Werkzeug gleich mitzuliefern.


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Details


Material: Metall / ABS

Länge: 274mm

Gewicht: 1340g

Kaliber: 6mm

Energie: 1,1J

Magazin: 27 BBs

Hop-Up: einstellbar


Erster Eindruck


Nimmt man die Pistole aus der Box, ist sofort klar: dies ist eine Waffe für große Hände! Ein Trump kann die nicht einmal beidhändig halten!


Was für ein Klotz! Und mit einem Gewicht, das dem Original schon ziemlich nahe kommt. Die Relation zu anderen Waffen wie einem 1911er oder einer Beretta stimmt schon mal.


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Die Eloxierung der Oberfläche ist, wie immer bei WE, sauber ausgeführt und prinzipbedingt ohne Blasen oder Einschlüsse wie bei Lack. Die etwas rauhe Oberfläche erinnert aber mehr an eine IMI Desert Eagle, die ebenfalls etwas gröber als eine Magnum Research ausgeführt ist. Einziger Nachteil dieser Oberfläche ist, daß Öl sehr leicht an ihr entlang "kriecht". Man muß die Waffe öfters mal abwischen. Dafür ist sie aber auch widerstandfähiger als lackiertes Metall.


Die Markings sind, soweit Vergleiche mit Fotos das zulassen, originalgetreu und schön tief graviert. Kein Vergleich zum weißen Aufdruck anderer Waffen. Und auch hier verbirgt sich das :F: ganz vorbildlich auf der Unterseite des Dustcovers. Ist ja auch genug Platz da!


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Technik


Eine Besonderheit des Systems bei einer Desert Eagle ist der Verschluß. Der Drehwarzenverschluß, wie man ihn sonst vom AR-15 kennt, wurde hier in ähnlicher Form auf eine Pistole übertragen. Das bedeutet, daß der vordere Teil der Waffe mit dem Lauf starr auf dem Griffstück sitzt und sich nur der hintere und seitliche Teil mit dem Schuß bewegt. Natürlich ist eine Airsoft nicht wirklich verriegelt, aber die Funktionsweise wird nachgeahmt. Die Drehwarzen sind starr und tarnen das Nozzle.


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Zerlegt wird die Waffe über einen Drehhebel, wie man ihn auch von der Beretta 92 (oder Walther P38) her kennt. Danach zieht man den gesamten Schlitten ab, der sich wiederum in Lauf, Verschlußkammer und doppelte Rückholfeder aufgliedert. Um weiter an Hop-Up-Chamber und Lauf zu kommen, müsste man nun Werkzeug verwenden, wie diese Teile im Außenlauf verstiftet sind (siehe Pfeil). Ich sehe in diesem Review davon ab.


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Stahlteile finden sich hier nur in Form von Achsen und Federn. Alles andere wäre in dieser Preisklasse aber auch ein Wunder.


Für die Einstellung des Hop-Ups muß man die Waffe hier nicht zerlegen, der weit öffnende Schlitten läßt eine Einstellung von außen zu. Wenn man den oben erwähnten Inbus zur Hand hat.


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Schußtest


Kommen wir zum schönsten Teil eines Reviews - dem Schußtest. Wie nicht anders zu erwarten, dauert es schon seine Zeit, bis das Magazin vollständig mit Gas gefüllt ist und es nicht mehr zischt. Das Volumen des Reservoirs dürfte auch ungefähr das Doppelte anderer Pistolen betragen. Dafür sind mit 21 BBs nicht mehr als sonst in der Waffe.


Die Sicherung ist erstaunlich leichtgängig, einer der wenigen Kritikpunkte bei der Tokyo Marui. Und auch das Durchladen geht einfacher, als man es bei einer Waffe dieser Größe erwarten würde. Gut, beim Original sind da auch deutlich härtere Federn verbaut... Der Single-Action-Only-Abzug löst nach wenigen Millimetern Vorzug kratzfrei und sehr leicht aus. Auch hier zeigt sich, daß es sich mehr um eine Sport- als eine Militärwaffe handelt.


Die Schußstärke zeigt dann, was in einer Desert Eagle steckt. Auch die Airsoft erreicht hier Werte, wie man sie sonst nur von GBB-Langwaffen kennt:


116,3 m/s

113,0 m/s

113,9 m/s

113,0 m/s

112,0 m/s

=> 1,61J (Greengas)


114,2 m/s

114,0 m/s

113,3 m/s

111,5 m/s

114,0 m/s

=> 1,61J Propan


(jeweils mit 0,25er BBs)


Der Test zeigt, daß auch mit Propan die Stärke nicht mehr zunimmt, aber dafür die Konstanz. Und in jedem Fall ist der Gasverbrauch sehr hoch. Die Schußstärke und der immer noch sehr schwere Schlitten haben eben ihren Preis. Trotz des großen Magazins reicht eine Füllung knapp, um eine Ladung BBs zu verschießen.


Und obwohl der Lauf nur unwesentlich länger als bei anderen Pistolen ist, erstaunt doch die hohe Präzision. Dies ergibt sich aus dem System mit starrem Lauf, das im Gegensatz zu anderen Pistolen mit nachgeahmten Browning-System weniger Toleranzen und damit mehr Genauigkeit bietet.


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Tuning


Die Desert Eagle besitzt oben auf dem Lauf eine Weaver-Schiene, die zur Montage von Optiken dient. Und obwohl diese ähnliche Abmessungen wie eine Picatinny-Schiene hat, sitzen die Kerben sehr ungünstig an den Enden. Folge: keine meiner kompakten Optiken mit Picatinny-Montage läßt sich montieren. Allerdings waren für die Desert Eagle ursprünglich auch nur kleine Zielfernrohre mit schmalen Montageringen vorgesehen. Wer es originalgetreu will, muß daher auch so eine Optik vorsehen.


Ansonsten wäre es toll, wenn WE (oder Ra-Tech) noch ein CO2-Magazin herausbringen. Platz ist genug da und angesichts des Gasverbrauchs macht es auch Sinn. Stärker dürfte die Waffe aber auch damit nicht mehr werden.


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Fazit


Das ist endlich die GBB Desert Eagle, auf die wir jahrelang gewartet hatten! 1,5 Kilo Feuerkraft zu einem ganz normalen Preis. Vollmetall, Markings, 1.6 Joule, was will man mehr?!?


Die Desert Eagle wäre mit ihrer Stärke und Präzision sogar als Primärwaffe auf dem Spielfeld geeignet, allerdings auf keinen Fall im CQB! Diese Waffe liegt auf Augenhöge mit Gewehren!

Für AIPSC ist sie aufgrund des hohen Gewichts eher ungeeignet, obwohl eine solche Pistole mit montierter Optik sicherlich Aufsehen erregen würde.

Dafür freuen sich die Sammler, die endlich mal wieder einen Klassiker mit korrekten Markings erweben können.


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Geschichte


Die Desert Eagle verwendet das Prinzip eines Gasdruckladers, wie man es z.B. vom AR-15 kennt. Sieht man sich den Drehkopfverschluß an, erkennt man auch mehr Ähnlichkeit mit einem Sturmgewehr, als mit jeder anderen Pistole.


Lange Zeit geisterte das Gerücht durch die Welt, die Desert Eagle würde von israelischen Spezialeinheiten eingesetzt. Auch wenn ein vereinzelter Einsatz nicht komplett ausgeschlossen werden kann, eine weitflächige Nutzung macht wenig Sinn. Die Desert Eagle ist extrem groß und verwendet ein so durchschlagkräftiges Kaliber, daß der Begriff "Overkill" für sie hätte erfunden werden müssen, wenn es ihn nicht schon gäbe. Dafür ist die Magazinkapazität mit 7 Schuß schon sehr eingeschränkt. Für einen (para-)militärischen Einsatz ist sie also eher wenig geeignet.


Die Ursache für dieses Gerücht liegt in der Tatsache, daß die Desert Eagle von Magnum Research entwickelt, aber über lange Zeit von IMI (Israel Military Industries) hergestellt wurde. IMI hat, genau wie allen anderen Waffenhersteller, aber auch einen zivilen Zweig.


Tatsächlich liegen ihre Wurzeln auch mehr im jagdlichen Bereich, was auch die Varianten mit langem 10" oder 14"-Lauf erklärt. Im Gegensatz zu Europa ist in weiten Teilen der USA die Jagd mit Pistolen durchaus erlaubt. Ein Kaliber, mit dem man auch mal ein durchgehendes Wildschwein oder einen wütenden Grizzly in die ewigen Jagdgründe schicken kann, ist da also angebracht. Und genau diese Lücke, die bis dahin nur wenige und meist handgefertigte Waffen schließen konnten, füllte die Desert Eagle. Als erste Serienwaffe erlaubte sie die Nutzung eines Kalibers .50.


Heute ist die Desert Eagle wohl weit mehr aus Filmen bekannt, als durch irgendeine andere zivile oder militärische Nutzung. Filme wie "Resident Evil", "Robocop 1-3" oder ganz besonders "The Matrix" und praktische alle Filme mit Arnold Schwarzenegger ab Mitte der 80er wären ohne eine Desert Eagle einfach nicht denkbar! Epische Schießereien, zuletzt in Superzeitlupe, mit einer so dicken Wumme wirken auf der Leinwand einfach ansprechender als ein James Bond mit seiner kleinen Walther PPK. Wenn man Pop-Corn-Action mag. Denn kein Polizist würde sich so einen Klumpen Metall mit lächerlichen 7 Schuß ans Bein binden...



Links


https://de.wikipedia.org/wiki/Desert_Eagle

https://en.wikipedia.org/wiki/IMI_Desert_Eagle

https://www.imfdb.org/wiki/Desert_Eagle