Review from the past: Marushin SIG P-210 GBB

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--- Airsoft ---
Modell: Sig Sauer P210
Hersteller: Marushin
System: Gas Blow Back
Kaliber: 6 mm BB
Max-Energie: 0,75 Joule
Material: hochwertiger Kunststoff und Metallteile
Magazinkapazität: 12 Schuss
Gewicht: ca. 675 g
Gesamtlänge: ca. 213 mm
Preis: 180 Euro

--- Realsteel ---
Abzug: Single Action
Kaliber: 9x19mm Luger/Parabellum, 7.65x19mm Parabellum, .22LR (Wechselsystem)
Gewicht: 900 g
Länge: 215 mm
Magazin: 8 Schuß


Die Testwaffe wurde mir freundlicherweise von der Firma Sniper-Airguns zur Verfügung gestellt.


Einleitung

Gleich als ich die erste Meldung über diese Neuvorstellung von Marushin gelesen habe, war ich begeistert. Endlich mal wieder eine Waffe abseits vom Mainstream, die trotzdem das Prädikat "Klassiker" verdient! Und dann noch in einer Variante im Kaliber 6mm, was bei Marushin durchaus nicht selbstverständlich ist.
Als dann, auf meine Nachfrage nach einer Testwaffe, das Paket noch am gleichen Tag verschickt wurde, war ich baff! Am nächsten Tag kam das Paket dann schon an. Ich hätte nicht gedacht, die SIG *so* schnell in den eigenen Händen zu halten.


Geschichte

Die SIG P210 basiert auf Patenten des Schweizers Charles Petter, der zuvor für die französische Armee die Pistole Mle.1935 entwickelt hatte. Die SIG verwendet ein modifiziertes Browning-System ohne Kettenglied.
Die Entwicklung begann als Auftrag der Schweizer Armee für eine neue Ordonnanzwaffe Mitte der 40er Jahre. Dabei wurde von der Armee eine Waffe mit einreihigem Magazin gefordert, weil diese bei Versuchen wegen der besseren Handlage präziser schossen als die mit etwas klobigeren Griffstücken und doppelreihigen Magazinen. Die Konstruktion von SIG gewann die Ausschreibung.
1949 wurde die Pistole dann als SP/49 bei der Armee eingeführt. 1957 erfolgte dann die Umbenennung als SIG P210. In den fünfziger Jahren wurde die SIG auch vom deutschen Bundesgrenzschutz eingeführt. Allerdings in einer Variante mit schlichten, hölzernen Griffschalen und ohne Fangriemenöse. Diese Variante wurde auch noch von der GSG-9 geführt. Bei deren erster Bewährungsprobe - der Geiselbefreiung aus der Lufthansamaschine "Landshut" in Mogadischu - kam ebenfalls die P210-4 zum Einsatz.
Später wurden dann auch spezielle Sportvarianten gebaut, die auch heute noch bei Schützen beliebt sind.

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Lieferumfang

Geliefert wird die P210 in einem originalen SIG Sauer Kurzwaffenkoffer. Daher passen auch nicht alle Teile exakt in die ausgeschnittenen Öffnungen. Im Fach für das Reservemagazin liegt z.B. die Probepackung BBs. Das Loading-Tool ist oben unter den Schaumstoff geklemmt.
Der Lieferumfang besteht aus der Waffe, einem Loading-Tool, einer Packung Kugeln und einer Cybergun-Standard-Anleitung für Kurzwaffen. Bei dieser hat's für eine deutsche Übersetzung leider nicht gereicht. Das ist aber nicht weiter schlimm, denn sie paßt sowieso nicht zur Waffe und ist daher praktisch unbrauchbar. Warum man nicht wenigstens die originale japanische Anleitung dazugelegt hat, weiß wohl auch nur der Vertrieb von G.S.G....
Außerdem befinden sich noch der obligatorische Inbusschlüssel und ein längeres Stäbchen im Koffer. Letzteres dürfte dazu dienen, verklemmte Kugeln aus dem Lauf zu kriegen. Verifizieren kann ich das nicht, weil ja die Anleitung dazu fehlt.

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Erster Eindruck

Als erstes fiel mir auf, wie klein die Waffe doch ist. Auf den Bildern wirkt sie immer relativ groß und ich hatte eine Art "verlängerter SIG P220" im Kopf. Aber das stimmt überhaupt nicht, die Pistole hat das gleiche Format wie eine 1911. Sie liegt sofort ganz natürlich in der Hand. Alle Bedienelemente sind gut erreichbar. Nur der Magazinknopf liegt etwas ungewohnt unten am Griffstück.
Was als nächstes auffällt, ist der extrem niedrige Schlitten. Durch die Schlittenführung *im* Griffstück, stehen nur etwa zwei Zentimeter über. Das ist weniger als bei einer ebenfalls niedrig bauenden Glock. Man muß daher genau an den Durchladerillen zufassen. Wer, wie gewohnt, den ganzen oberen Teil greift, bewegt leider gar nichts.

Der Outer-Barrel ist verchromt, was sehr edel wirkt. Die Griffschalen sind aus schwarzem Plastik. Bei der 8mm-Version sind sie braun und die Bedienelemente vergoldet. Man könnte sagen, die 6mm-Version entspricht einer (militärischen) Dienstwaffe, die 8mm einer Sportwaffe.

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Markings gibt es reichlich auf der Waffe, wobei die meisten davon aus der Seriennummer bestehen, die auf jedem relevanten Teil eingraviert ist. Ansonsten sind sie eher schweizerisch-sparsam. Ein gibt ein kleines SIG-Logo im oval und ein Beschußzeichen auf der linken Seite. Dazu noch die Modellbezeichnung "P210-6" auf der linken Seite des Schlittens.
Rechts wiederum ist hauptsächlich der Verschluß beschriftet. Wieder das SIG-Logo, die Seriennummer und "9 PARA". Auf dem Griffstück findet sich dann auch die Herstellerangabe "Marushin Industries Inc. Made in Japan".
Das "F" und die Importeurmarkings sind auf der linken Seite eingebrannt, leider nicht ganz grade. Da hat G.S.G. bei anderen Waffen bessere Arbeit geleistet (siehe M712).

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Das Plastik finde ich persönlich nicht so gelungen, es fühlt sich viel stärker nach Plastik an, als z.B. das der Tanaka USP. Wobei das auch die "Heavy Weight" Version ist, die noch mal eine stabilere Verarbeitung hat. Trotzdem könnte Marushin hier noch besser werden. Die Chromoberfläche der Marushin Detonics wirkte edler. Eine verchromte SIG P210 wäre allerdings irgendwie... unstimmig.
Aber zumindest ist die Waffe sehr gut verarbeitet, es knarzt und wackelt nichts. Das Magazin und der Schlitten sitzen fest und ohne nennenswertes Spiel. An solchen Details zeigt sich dann die Qualität einer japanischen Airsoft.

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Technische Details

An dieser Waffe gibt es viele Kleinteile aus Metall: Abzug, Schlittenfang, Sicherung, Hahn, Federführungsstange, Fangschlaufenöse, Magazin und -halteknopf. Im Inneren dazu noch ein paar Gewichte und Schienen. Die Internals wirken überhaupt sehr stabil und ordentlich verarbeitet, kein Vergleich zu taiwanesischen GBBs.

Die Sicherung liegt etwas ungewohnt auf der linken Seite vor dem Daumen. Dort, wo bei der SIG P220 und den Folgemodellen der Entspannknopf ist. So ist die Sicherung allerdings auch gut und ohne Umgreifen erreichbar.

Beim Zerlegen gibt es keine Überraschungen. Das Magazin entnehmen, den Schlitten zurückziehen und arretieren. Dann kann man den Schlittenfang herausziehen (den Schlitten natürlich solange festhalten). Danach läßt sich der Schlitten nach vorne abziehen.

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Für die HopUp-Einstellung gibt es eine kleine Schlitzschraube (!) unter dem Lauf. Auch hier weicht die Beschreibung in der Anleitung deutlich von der Wirklichkeit ab. Allerdings gibt es hier auch nicht viele Möglichkeiten, sich zu vertun. Es sind einfach keine anderen Schrauben vorhanden.

Im direkten Vergleich mit einem 1911er Colt zeigt sich eine Verblüffende Ähnlichkeit. Bei Waffen haben exakt das gleiche Format. Die Bedienelemente sind zwar anders angeordnet, aber die grundsätzliche Funktionsweise ist die gleiche. Offenbar hat man sich bei SIG sehr stark an diesem Erfolgsmodell orientiert.

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Die Visierung scheint seitlich beweglich zu sein, nicht aber in der Höhe. Ich habe allerdings keine Versuche in dieser Richtung unternommen, da die Waffe schon ziemlich genau den Haltepunkt getroffen hat.

Beim Zusammensetzen muß man beachten, daß man den Schlitten zunächst normal aufsetzt, bis er wieder in seiner "Ruhestellung" ist. Nun kann man den Schlittenfang ein Stück hereinschieben. Erst jetzt zieht man den Schlitten komplett zurück und drückt den Schlittenfang ganz rein. Zieht man den Schlitten gleich ganz zurück, geht er anschließend nicht mehr ganz nach vorne, weil Innen eine Schiene den Weg blockiert.


Schußtest

Das Befüllen geht auch bei dieser Waffe sehr leicht. Das Einfüllventil liegt offen auf der Unterseite des Magazins. Die Kugeln lassen sich sehr leicht einfüllen, die vordere Öffnung ist groß genug. Entsprechend dem Vorbild ist das Magazin einreihig.
Das BlowBack ist normal für eine GBB mit Plastikschlitten. Getestet habe ich zuerst mit HFC134a, an stärkere Gassorten sollte man sich bei Japan-GBBs nur langsam heranwagen. Auffällig war, daß der Schlitten bei leerem Magazin nicht hinten blieb. Dies funktionierte erst mit Abbey Predator Ultra. Greengas habe ich nicht probiert, auch wenn es die Waffe nicht gleich zerlegen wird. Wenn einem etwas an der Haltbarkeit der Waffe liegt, sollte man sich auf die schwächeren Gase beschränken.

Der Schußtest auf fünf Meter aufgelegt brachte keine Überraschungen. Die Präzision ist normal für eine GBB. Der Streukreis lag bei ca 4 bis 5 Zentimetern, mehr ist auch aufgrund der Visierung kaum möglich.
Bis etwa zehn Meter ist die Präzision gut, danach wird das Treffen kleiner Ziele eher zum Glücksspiel. Die praktische Reichweite würde ich mit 25 bis 30 Meter angeben, auch wenn die Kugeln weiter fliegen.

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Spieltauglichkeit

Wie jede andere GBB ist dieser Klasse ist natürlich auch die SIG spieltauglich. Die Leistung ist mit anderen japanischen GBBs vergleichbar. Dann bliebe nur die Frage, zu welchem Loadout diese Waffe paßt. Jedenfalls, wenn man nicht völlig auf eine stimmige Ausrüstung pfeift.
Neben einem "Schweizer Armeesoldaten" würden "Bundesgrenzschutz, frühe Jahre" oder "GSG 9, frühe Jahre" passen.


AIPSC

Von der Schußleistung her wäre die SIG wohl auch für AIPSC geeignet. Allerdings sind die geringere Magazinkapazität und der - für schnelle Wechsel - unpraktisch platzierte Magazinknopf ein Hinderungsgrund. Im Wettbewerb mit den diversen 1911er oder gar 2011er Clones ein ziemlicher Nachteil.


Tuning

Von Prime gibt es zwar ein "SIG P210-6 Conversion Kit", allerdings scheint das nur für die 8mm-Version zu passen. Zu einem Preis von 390 US$ allerdings nicht eben ein Schnäppchen. Dazu käme dann in Deutschland noch das Problem mit dem dann fehlenden "F". Hier scheint es also keine Lösung zu geben.

Ein Leistungstuning ist in Deutschland verboten - macht aber nichts, denn für diese Waffe scheint es da gar keine Angebote zu geben. Zumindest nichts vorgefertigtes. Das kann dann aber auch bedeuten, daß im Falle einer Beschädigung der Waffe, ein Ersatzteil nur schwer aufzutreiben ist. Ob z.B. Ventile anderer Waffen auch passen würden, ist mir nicht bekannt. Aufgrund der wenigen Erfahrungen, die es mit der SIG auch international gibt, kann das noch keiner beantworten.

Passende Holster aus aktueller Fertigung kosten um die 40 Euro. Solange man kein Kydex-Holster nimmt, sollten auch Holster für den Colt 1911 passen.

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Fazit

Ein Metallschlitten wäre hier natürlich das Optimum gewesen. Aber auch so ist es eine sehr schöne Replik. Für Sammler ein echter "Klassiker", zeitlos und sehr gut verarbeitet. Für Spieler eine Alternative gegen die "Colt-Gläubigkeit" der Szene. Die Schußleistung ist mit jeder anderen japanischen GBB vergleichbar. Die Marushin SIG P210 ist für mich eine echte Empfehlung an alle, die etwas ungewöhnliches haben möchten.


Links
http://de.wikipedia.org/wiki/SIG_P210
http://world.guns.ru/handguns/hg63-e.htm
http://www.waffenhq.de/index1280.html
http://www.gunshopfinder.com/sig/sigP2106.asp


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