Review from the past: KWA M11 NS2 GBB

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Modell: Ingram M11 Cobray
Hersteller: KSC/KWA
System: Gas Blowback, Hop Up einstellbar
Kaliber: 6 mm BB
Max-Energie: ca. 1,0 Joule
Material: Metall und Kunststoff
Magazinkapazität: 48 Schuss
Gewicht: ca. 1320 g
Gesamtlänge: ca. 253/450 mm
Preis: 169,00 €

Geschichte

Gordon Ingram hatte im Zweiten Weltkrieg erkannt, daß viele Maschinenpistolen zu kompliziert aufgebaut waren. Insbesondere die häufig anzutreffende Thompson 1928 ("Tommy Gun") war in Herstellung und Wartung viel zu aufwändig für eine Militärwaffe. So begann er 1946 mit der Entwicklung einer einfacheren, aber zuverlässigen Maschinenpistole. Der Zeitpunkt war nur denkbar ungünstig - der Markt war regelrecht überschwemmt mit ausgedienten Kriegswaffen und die US Army hatte kein Interesse an der Einführung einer neuen MP.

Erst Mitte der 60er änderte sich als, als nach dem Korea- und mit Beginn des Vietnamkrieges neue Waffen beschafft werden mußten. Ingram entwickelte eine kompakte, robuste und einfach aufgebaute MP für die Patrone .45 ACP, die viele Neuerungen zu alten Design einbrachte. So konnte die Waffe kompakt gehalten werden, weil der Verschluß den Lauf umschließt und dieser wiederum fest im Gehäuse verankert ist. Das gleiche Prinzip verwendete schon die Uzi, bzw. deren Vorläuferin, die tschechische vz.48. Später folgte dann auch noch eine Version in 9mm für ausländische Märkte.

Diese, später als "MAC-10" bekannte Waffe, wurde auch der US Army vorgestellt. Ein Auftrag folgte aber nicht, weil es damit einfach keinen Bedarf für eine solche Waffe gab. Dabei dürfte auch die enorm hohe Kadenz von fast 1200 Schuß pro Minute eine Rolle gespielt haben. Es folge nun die Entwicklung einer verkleinerten Version der Waffe für das Kaliber .380 ACP (9mm kurz) - die spätere M-11. Diese war vor allem für Personenschützer und Polizeieinheiten gedacht.

Gordon Ingram tat sich nun mit der Firma Sionics Inc zusammen, um die MAC-10 zusammen mit deren Schalldämpfern als Paket zu verkaufen. Die Dämpfungsleitungen waren für die damalige Zeit beachtlich und es konnten kleinere Stückzahlen an Spezialeinheiten verkauft werden. Ein Großauftrag folgte aber nie.

1970 wurden die Rechte an dieser Kombination an die Firma Military Armament Corporation (MAC) verkauft, wobei Ingram anfangs noch für diese Firma gearbeitet hat. Später wurde er herauskomplimentiert und MAC verkaufte Lizenzrechte an weitere Firmen (SWD Inc., RPB Industries und andere), bevor sie Pleite gingen. Ab hier wird die Geschichte der Lizenzrechte eher verworren. Heutiger Inhaber die Lizenzen ist die Firma Cobray

Zumindest in Südamerika wurde die MAC-11 erfolgreich verkauft, wenn auch hier nie in großen Stückzahlen. Für kurze Zeit wurde die MAC-10 sogar vom britischen SAS eingesetzt, bevor sie 1977 durch die MP5 ersetzt wurde. Heute ist die M-11 eher als Verbrecherwaffe aus Filmen bekannt.

Eine Herstellerliste findet sich unter:
http://www.firearmsid.com/Feat…s/012001/Mac10History.htm

Mehr zur Geschichte unter:
http://www.cobray.com/history.htm
http://world.guns.ru/smg/smg22-e.htm
http://en.wikipedia.org/wiki/Ingram_MAC-11
http://www.firearmsid.com/Feat…s/012001/Mac10History.htm

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Einleitung

Die KSC Ingram M11 gehört sicherlich zu den Klassikern in der Airsoft-Szene. Eine der stylischsten Waffen, die es auf dem Markt gibt, mit einer Menge Zubehör und jeder Menge Erfahrungsberichten. Und doch kann man auch an dieser Waffe noch einiges verbessern. Genau das haben KSC/KWA getan und eine neue Version mit "System 7" bzw. "NS2" herausgebracht, die die größten Schwachpunkte beseitigt, ohne auf bewährte Technik zu verzichten. Höchste Zeit für mich, ein Review zu schreiben!

(Der einzige Grund, warum ich das noch nicht längst getan habe, ist, daß die M93 zuerst auf den Markt kam und ich mit dieser angefangen hatte...)

Die Testwaffe wurde mir freundlicherweise von der Firma Sniper-Airguns zur Verfügung gestellt.

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Lieferumfang

Der Karton ist diesmal von ASG selbst gestaltet worden. Daher ist zum Beispiel auch eine Abbildung der Waffe darauf, was man bei KSC/KWA sonst nicht findet. Allerdings ist der Deckel auch etwas zu groß und liegt nur locker auf der Styroporbox auf. Nicht gerade ideal für den Transport. Vielleicht ist das auch der Grund, warum die Innenseite des Deckels mit Zielscheiben bedruckt ist. Dafür taugt er dann nämlich doch.

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Im Karton finden sich, neben der Waffe, nur eine englische Anleitung von ASG, Kugeln und ein HopUp-Tool. Dafür ist jetzt direkt ein Magnesium-Bolt verbaut, weil der aus Plastik bei den früheren Versionen ein Schwachpunkt war. So verträgt die Waffe auch Greengas ohne Probleme.

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Erster Eindruck

Wenn man die Waffe so sieht, ist sie verblüffend klein, aber sehr bullig gebaut. Die Größe liegt irgendwo zwischen einer "richtigen" SMG und einer großen Pistole. Mit einem kurzen Magazin paßt sie ohne weiteres in ein großes Pistolenholster.

Das Gewicht ist, für eine Waffe mit so hohem Plastikanteil, erfreulich hoch. Über 1300 Gramm, das meiste davon aber im Magazin. Das ist 300 Gramm weniger als das Gewicht des (leeren) Vorbilds...

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Die Plastikteile haben aber eine ganz ähnliche Oberflächenstruktur, wie die zahlreichen Metallteile. Das wären z.B. der ausziehbare Stock, die Visierung, der Durchladeknopf oder die Sling-Halterung. Das Magazin besteht ebenfalls fast nur aus Metall. Das Gehäuse und der Griff sind dagegen aus Plastik, wobei dieses sehr stabil wirkt. Der hohle Griff läßt sich nur minimal zusammendrücken.

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Die Markings sind alle sauber ausgeführt und anscheinend von ASG selber aufgebracht worden (bzw. in deren Auftrag), denn das ASG-Logo und die Herstellermarkings sehen aus, als wären sie in einem Arbeitsgang gemacht worden. KWA selbst macht normalerweise keine Herstellermarkings auf die Waffen. Die Waffe hat Markings von SWD/Cobray, stammt optisch also aus einer späteren Produktionsreihe.

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Neben dem gedruckten [F], das ASG neuerdings wohl immer aufdruckt, ist auch noch der Schriftzug von Sniper-Airguns sowie eine Kaliberangabe eingelasert. Allerdings eher klein und auch nicht weiß unterlegt.

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Technik

Das neue "System 7", oder "NS2" bei KWA, soll ja neben einem geringerem Cooldown auch ein stärkeres Blowback bieten. Bei den Pistolen wird das dadurch erreicht, daß der Verschluß nach einem extrem kurzen Weg von vielleicht zwei Zentimetern gestoppt wird. Das ist zwar nicht realistisch, rappelt aber in der Hand. Offensichtlich hat KSC/KWA bei der M11 einen anderen Weg genommen. Hier läßt sich der Verschluß vollständig öffnen.

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Ob es einzig der Magnesium-Bolt ist, oder ob der Rückschlag doch stärker ist (und damit mehr Gas verbraucht) konnte ich ohne direkten Vergleich nicht feststellen. Auf jeden Fall ist der Rückschlag nicht stärker als der Prellschlag, wenn der Verschluß wieder nach vorne läuft. Wirklich stark ist beides nicht, aber die Waffe wird schon aus der Ziellinie geschlagen.

Um die Waffe zu zerlegen, muß man zunächst das Magazin entnehmen. Dann nimmt man den Sicherungsbolzen am Gehäuse heraus. Jetzt kann der eigentliche Haltebolzen herausgedrückt werden. Ich nehme dazu eine Bleistiftspitze, weil es doch relativ schwer geht. Danach läßt sich das obere Gehäuse schräg nach oben ziehen, bis der Durchladeknopf an der hinteren Öffnung blockiert. Durch gleichzeitiges drehen und ziehen wird er ausgebaut.
Nun noch das Gehäuse komplett abziehen und den Verschluß nach hinten enthaken.

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Das HopUp wird auch hier wieder mit einem Spezialschlüssel verstellt, den man besser nicht verlieren sollte. Einen Ersatz gibt es nämlich - bisher - nur beim Kauf einer anderen NS2-Waffe.

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Schußtest

Die Anleitung ist zwar insgesamt gut verständlich - halt Englisch, aber an einer Stelle etwas unklar formuliert. Ausgerechnet beim Schießen...

Zunächst muß man den Verschluß komplett spannen, dann das Magazin einsetzen, Feuermodus wählen (ha ha ha), entsichern und dann erst kann man schießen. Die Beschreibung ist an dieser Stelle etwas zerfasert. Wenn man aber weiß, daß die M11 ein zuschießendes System hat, ist es klar, daß es so funktionieren muß. Das Magazin kann übrigens auch eingesetzt werden, wenn der Verschluß vorne ist. Das ist für Spieler nicht ganz unwichtig, denn so kommt beim Tragen weniger Dreck ins Gehäuse.

Das Schußgeräusch ist scharf, aber nicht extrem laut. Vielleicht auch ein Vorteil des zuschießenden Systems. Bis sich der Verschluß wieder geöffnet hat, ist der Knall längst verebbt. Der Rückschlag ist auch weniger stark, als erwartet. Das ist aber auch kein Wunder, bei dem doch relativ hohen Gewicht der Waffe. Auf Vollauto dürfte es aber schon deftig in der Hand rappeln.

Ich habe, mit angewärmtem Magazin bei ca. 20°C einen Mittelwert von 0,99 Joule mit Greengas gemessen. Das ist ordentlich für eine so kleine Waffe, mit einer eher geringen Einsatzreichweite.
Um mal zu testen, wie sich der Cooldown auswirkt, habe ich einen Schuß durch den Chrony gejagt, dann zehn Schuß in schneller Folge und dann wieder einen durch den Chrony. Die Messungen ergaben 99,6 m/s (0,99 J) beim ersten und 84,1 m/s (0,71 J) beim letzten Schuß. Ein Cooldown ist also durchaus vorhanden und spürbar, aber nicht so extrem, daß er die Funktion ernsthaft gefährden würde.

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Die Visierung ist sehr einfach, mit einem Stück gebogenem Stahl als Korn und einem Loch in der Rückplatte als Kimme. Wirklich verstellbar ist hier nichts, höchstens mit einer Zange. Und auch die Schulterstütze ist für exakte Schüsse nicht besonders hilfreich, weil sie doch extrem kurz ist. Die Schußhaltung ist dadurch etwas verkrampft. Beides ist nur ein Notbehelf, immerhin handelt es sich um eine Nahbereichswaffe.

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Bei so einer Waffe kann man natürlich nicht nur mit ausgezogener Schulterstütze schießen. Hier sind Schüsse aus der freien Hand notwendig! Die Präzision ist dabei ok, wenn auch nicht überragend. Durch den zuschießenden Verschluß lagen bei mir erst alle Schüsse etwas zu tief, bis ich das ausgeglichen hatte. Mit der Schulterstütze lagen die Treffer etwas besser.

Eine Maximalreichweite anzugeben, macht hier wenig Sinn. Die hängt eher von der Zielgenauigkeit und nicht von der Leistung der Waffe ab. Mehr als etwa 20 Meter sind nicht drin, weil zumindest die Visierung dafür schon zu krude ist.

Mit einer vollen Ladung Greengas konnte ich in zügiger Folge etwa 70 Schuß abgeben, dann reichte der Gasdruck nicht mehr, den Verschluß komplett zu repetieren.

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Tuning

Von neuen Internals für das "System 7" habe ich noch nichts gehört. Aber würde es überhaupt Sinn machen, ein verbessertes, stärkeres System noch einmal stärker zu machen? Eigentlich nicht.

Auch der Umbau auf Vollauto - natürlich nur im Ausland! - dürfte sich schwierig gestalten, weil ein Teil verändert wurde, für das es wohl keinen Ersatz gibt. Zumindest ist in den einschlägigen Shops nichts zu finden. Wer Zugang zu einer Drehbank hat, könnte sich da vielleicht selber etwas bauen.

Interessanter sind dann schon die Möglichkeiten beim externen Tuning. Ob die alten Metalkits noch passen, konnte ich leider nicht in Erfahrung bringen. Da muß man einfach abwarten, bis das mal jemand ausprobieren konnte. Auf jeden Fall passen aber die Schalldämpfer und Halteschlaufen, ohne die eine M11 irgendwie nicht vollständig ist.
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Fazit

Was der M11 in Deutschland immer fehlen wird, ist der Vollauto-Modus. Das ist bei dieser Waffe wirklich schmerzlich. Aber es hilft nichts, darüber zu klagen, es geht halt nicht. Aber für eine Semi-MP ist das schon ein tolles Stück.

Mit einem Metallgehäuse wäre die M11 perfekt. Dies würde allerdings auch den Preis enorm in die Höhe treiben und so ist das Plastikgehäuse ein guter Kompromiß. In der bekannt guten Qualität von KSC/KWA wirkt das Plastik echt genug.

Die M11 ist, trotz der guten Leistung, keine Präzisionswaffe für große Entfernungen. Als Primary im CQB ist sie dagegen ideal. Und natürlich als Backup, anstelle einer Pistole. Durch die hohe Magazinkapazität und nicht zuletzt die psychologische Wirkung des Schußgeräusches kann man den Gegener zurück in die Deckung drängen.

Und selbstverständlich ist die M11 ebenso ein Sammlerobjekt, wie auch eine Funwaffe für's Plinking. Nur eines ist dafür besser geeignet: zwei M11!

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